Sommersonne – Kapitel 10 – Ein kleiner Wink

Sommer satt heißt auch Sonne satt. Und beides gab es an diesem Tag mal wieder uneingeschränkt. Aus diesem Grund war es auch bei untergehender Sonne noch immer angenehm warm. Sophia wartete an der Ecke der Straße in der Nähe der Bushaltestelle auf ihn. Niko trat von hinten an sie heran und drückte ihr von hinten einen warmen Kuss auf die rechte Wange. Sie drehte sich instinktiv herum und umarmte ihn. Ihr Haar roch nach Aprikose. Arm in Arm schlenderten die beiden schließlich die Hauptstraße entlang. Heute war der wöchentliche Kneipentag in der Stadt. Folglich hatte man die Hauptstraße zur Kneipenmeile erklärt und man konnte, ohne mit der Angst zu leben, von Autos überrollt zu werden, gemütlich schlendern. Niko legte ihr den Arm auf die Schulter. Sophia schien es zu genießen. Niko suchte eine nette kleine Eckkneipe aus. Sogar die Stühle standen vom Fußweg bis auf die Straße. Nur ein paar wenige Plätze waren besetzt und so setzten sich beide an den Rand, wo eine Ranke die Stühle etwas berührte. Gedämpftes Licht sorgte für eine angenehme Atmosphäre. Beide genossen den Abend und es wurden nicht nur liebevolle Blicke ausgetauscht. Nach mehreren Stunden zärtlicher Annäherung versuchte Niko eine Kellnerin herbei zu winken. Auch nach noch einem weiteren Anlauf gelang ihm die nicht. So meinte Sophia: „Soll es nicht ich mal versuchen?“ – „Versuch dein Glück.“ Und, welch ein Wunder, die Kellnerin kam sofort. Niko bezahlte als Gentleman die Rechnung und beide schlenderten nach einem ziemlich komplizierten Weg durch mehrere Querstraßen schließlich am Flussufer entlang. Niko kam die Situation mit der Kellnerin wieder in den Sinn. Er fragte nebenbei: „Sag mal wie hast du das gemacht. Unsereins müht sich da echt ab und hat Null-Erfolg und du schaffst es gleich mit dem ersten Wink.“ – „Tja ich würde es fast weibliches Können nennen.“ – „Naja ich würde ja zu weiblichem Glück tendieren.“ Und Beide konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen. Nachdem sie in ein tiefsinnigeres Gespräch über die Welt und das Universum verfallen waren kamen sie am alten Brückenkopf einer ehemaligen Umgehungsstraße zum Stehen. Sophia bemerkte: „Na du hast ja einen prima Weg eingeschlagen.“ Niko brauchte eine Zeit, um sich zu orientieren, aber letztendlich gelang es ihm doch. Er war zu sehr in sein Gespräch vertieft gewesen, als da auch noch auf dem Weg zu achten. Nachdem ihn Sophia fragend anblickte meinte er so: „Hmm also ich bin ja für ein Taxi. Zwei Straßen weiter oben sollte wir doch eins auftreiben können. Die nächste Taxistelle war zu weit weg um dahin zu laufen und das Handy hatte Niko in Anbetracht eines romantischen Abends zu Hause gelassen. Also warteten sie an einer belebteren Straße auf ein gelblich schimmerndes Fahrzeug. Das Erste, welches Niko herbeiwinken wollte, bog in die nächste Querstraße ein und nahm wohl einen Anruf eines Fahrgastes war. Bei dem zweiten Taxi erging es ihm nicht besser. Es fuhr zwar genau auf ihn zu, ignorierte ihn aber scheinbar gnadenlos. So kam Sophia zu dem Schluss: „Soll ich nicht noch mal mein weibliches Glück herausfordern?“ Vor dem Wort Glück legte sie eine kleine stilvolle Pause ein und schenkte Niko ein liebes Lächeln. Auch seine Mundwinkel hoben sich. Und wie von Geisterhand hielt das erste Taxi, welches Sophia herbei winkte. „Ich sagte doch weibliches Können“ warf sie ihm mit einem lauten Lachen an den Kopf. So stiegen beide in das Taxi ein und nahmen auf der Rückbank platz. Bevor sie sich in den Tiefen des Straßengewirrs verloren sagte Niko mit einem halb verzogenen Gesicht, aber dennoch nicht böse: „Auf das Thema kommen wir noch zu sprechen, Kleine.“ Und dann verlor sich das Taxi in den Tiefen der Dunkelheit.

  • Twitter

Kommentarfunktion deaktiviert