Sommersonne – Kapitel 8 – Flo’s Geheimnis

Die Ferien hatten erst das erste Viertel erreicht, aber schon jetzt zeigte sich die Sonne mit vollem Glanz. Flo saß trotz diesem Wetter an seinem Laptop und kaute auf dem stumpfen Ende seines Bleistifts herum. Er grübelte. Und das nun schon eine ganze Weile. Nicht, dass er sie nicht mochte, aber es gab da ein kleines Problem. Er hatte ihr noch nicht erwähnt, dass er eigentlich schon vergeben war. Nun das war das Eine. Die andere Sicht der Dinge war aber, dass er mit seiner momentanen Beziehung nicht wirklich zufrieden war. Nun war er am Überlegen, die alte Freundschaft ohne Sang und Klang zu beenden und sich auf etwas Neues und Abenteuerliches einzulassen. Nur war er aber nicht der Typ, der sein Mädchen einfach mal so am Straßenrand mit einer Pfütze aus Tränen zurücklässt. Nun, er musste sich entscheiden, aber seiner eigenen Meinung war er sich noch nicht sicher. Im Hintergrund lief grad eine alte Schnulze in Schwarz-Weiß, in der ein Mann seine Frau dem mit einfachstem Mittel einfach unter die Erde brachte, weil er sich einfach zu bedrängt gefühlt hatte. So einfach war das Flo aber nicht. Das Ende des Bleistifts nahm nun breiige Züge an. Ihm stieg der Geschmack von Graphit in den Mund und er legte das Schreibwerkzeug beiseite. Es musste sich entscheiden. Er setzte letztlich doch auf Anne und somit auf das Neue.
Nun er brachte es trotzdem nicht über das Herz seine Noch-Freundin einfach so per SMS abzuservieren. Nun der Laptop bot sich an. Er schrieb und das mehr als nur 2 Stunden lang. Das Resultat war ein siebenseitiger Brief gespickt mit seinem tiefsten Kummer und vielen seiner innersten Gefühle. Es zerriss ihm innerlich das Herz solche Zeilen je einmal verfassen zu müssen. Er tat es und beraubte sich somit seiner bisherigen Lebensgefährtin. Das Alles nur für etwas Neues, wobei er noch nicht mal wusste, ob es gelingen würde. Anne kannte er nur noch aus der Grundschule, also eigentlich wusste er kaum etwas über sie. Allerdings fühlte er in ihrer Nähe eine Leichtigkeit, die er so noch nie gespürt hatte. Nein, seine Entscheidung stand fest und nun würde er sich dafür verantworten müssen. Er las sein Verfasstes nun schon zum 4. Mal und besserte hier und da noch einige Wörter und Phrasen aus. Er konnte sich nur allzu genau vorstellen, wie seine Freundin, die sie ja ab nun nicht mehr war, darüber in Tränen ausbrechen würde und in ihrer Trauer den Brief noch und noch mal lesen würde, nur um doch noch ein wenig Positives aus den Zeilen für sich zu gewinnen. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass Alles zu seiner Zufriedenheit klang, schnappte er sich den Ausdruck aus dem Drucker und schrieb in sorgfältig per Hand ab. Nach einer weiteren verstrichenen Stunde schloss er ab: „Es tut mir leid. Flo.“ Das war es nun. Er klebte den Briefumschlag sorgfältig zu und notierte in sauberen Buchstaben ihre Adresse darauf.
Tags darauf landete der Brief im Briefkasten. Als Antwort erhielt er einen Zettel ebenfalls per Post. „Wenn du meinst, dass es so enden muss.“ Er wusste, wie sehr er sie verletzt hatte. Nicht einmal ihr Name stand unter den Zeilen. Er schloss mit dem Thema ab und versuchte sich auf das immer noch so gute Wetter zu konzentrieren, was seine Stimmung nicht wirklich zu bessern schien.

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