Der Fremde (März 2009)

(ein umgeschriebenes Hörspiel von Niko Klausnitzer, März 2009)

SZENE 1 AUSSEN

(Hintergrundmusik)

Kate: (Sprechertext) Kaum waren wir heute Morgen unterwegs zu Phils Mutter, fingen wir schon wieder an zu streiten. Ich war ziemlich verzweifelt. (Außengeräusche vom Autofahren)
Und wirklich, ich liebte Philip, aber ich hatte das Gefühl, dass unsere Ehe immer mehr zu Brüche ging.

SZENE 2 INNEN AUTO

(Innengeräusche vom Autofahren während der ganzen Szene, Radio leise)

Kate: (gereizt) Mir wäre wirklich sehr viel wohler, wenn du dich anschnallen würdest!

Phil: Sei doch nicht so gereizt! (Pause) Du siehst prima aus! Ist ein sehr hübsches Kleid, was du da anhast.

Kate: Du hörst mir einfach nicht zu! Wie immer! Ach und im Übrigen, habe ich eine Hose an!

Phil: Wie auch immer… du siehst gut aus!

Kate: Immer wenn wir bei deiner Mutter sind, fühl ich mich wie auf dem Prüfstand!

Phil: Ach quatsch, das redest du dir doch nur ein. Meine Mutter ist gar nicht so kritisch!

Kate: Nein? Und warum springst du dann immer, wenn sie pfeift?

Phil: Ihr zwei seid doch keine Rivalen! Außerdem habe ich doch immer Zeit für dich!

Kate: Du hast Zeit für mich? Das ich nicht lache,… du hast doch mehr Zeit für deinen Boss, für deine Freunde und Golfkumpels. Du gibst mir das Gefühl hinten an zu stehen!

Phil: Naja, ich arbeite eben sehr hart. Das tu ich doch alles für uns. Und wenn ich mich mit meinen Klienten zum Golf spielen treffe, dann ebenfalls für uns! Ich verstehe ja, wie du dich fühlst aber… (wird unterbrochen)

Kate: Du sagst ja nicht mal was ich anhabe, wenn ich so nah wie jetzt neben dir sitze. Und du erwartest von mir, dass ich glaube, dass du wüstest was ich fühle?

(Lauter Knall, Autoquietschen, Bremsen, Geräusch Fahrt auf Schotter)

Phil: Na klasse…, ich schätze wir haben einen Platten!

SZENE 3 AUSSEN

(Autotür wird zugeknallt, Schritte auf Schotter)

(Telefon: Anruf-Ton, „The person you’ve called is temporary not available!)

(Vogelsingen während der ganzen Szene, Rabe)

Kate: (zu sich) Super, jetzt erreichen wir niemanden und sitzen hier fest.

(Werkzeuggeräusche)

Kate: Meinst du, dass du das richtig machst?

Phil: Diese Reifen sind neu! So was hätte gar nicht passieren dürfen!

Kate: (erschrocken) Phil!

Mann: Sieht aus als bräuchten sie Hilfe!?

Phil: Naja, die in der Werkstatt haben das ziemlich festgedreht.

Mann: Lassen sie mich mal ran!

(Fußstapfen im Schotter)

Phil: Ok, wenn sie unbedingt wollen…

(Fußstapfen im Schotter, Vogelgesang, Rabe)

Phil: (leise) Wo kommt der denn auf einmal her? So aus dem Nichts?!

(Werkzeuggeräusch)

Kate: Keine Ahnung. Denkst du wirklich, das ist eine gute Idee…?

Phil: Wir geben ihm dann was dafür!

(Werkzeuggeräusch)

Mann: Manchmal ist es einfach nur die falsche Richtung, die wir wählen!

Kate: (belächelnd) Du hast das Teil wirklich falsch herum gedreht?

Phil: Den Mutterschlüssel! Um genau zu sein. Verdammt, meine Mutter wird sich sicherlich sehr über unsere Verspätung aufregen.

Mann: Manchmal sind wir so bemüht es allen Leuten recht zu machen, dass wir die vernachlässigen, die am wichtigsten sind. Jene Menschen, die wir lieben! Wir nehmen sie als selbstverständlich. Sind sie doch immer für uns da!

(Mutterschlüssel in Kofferraum werfen, Kofferraumhaube zuwerfen)

Phil: Ja, also… wir danken ihnen vielmals. Können wir sie dann vielleicht irgendwohin mitnehmen?

(Vogelgesang)

Kate: (Sprechertext) Ich war zuerst gar nicht davon begeistert, dass Phil diesen Fremden mitnahm.

SZENE 4 INNEN AUTO

(Autofahrt innen)

Kate: Es wäre mir lieb, wenn sie sich anschnallen würden.

(Anschnallgurt & Klick)

Phil: Wie weit wollen sie denn mitfahren?

Mann: Das kommt darauf an… wird sich alles finden.

Kate: Soll das heißen, sie reisen einfach so durch die Gegend? Was sagt denn ihre Familie dazu?

Phil: Also ich beneide sie. Sie können tun, was immer sie wollen. Brauchen sich für niemanden zu verantworten. Ein absolut freier Mann! So ist das ganze Leben ein Abenteuer!

Mann: Da ist schon was dran. Aber um zu erleben, um wie viel reicher das Leben wird, wenn man einen echten Partner hat, einen lieben Menschen, der all deine Probleme und Schmerzen kennt und dir hilft sie zu verstehen… das ist viel aufregender!

Phil: Schon wahr! Nur ist das manchmal auch schwierig.

Mann: Das Leben ist schwierig. Doch jede schwere Last wird leichter, wenn zwei zusammen daran tragen. Anstatt jeder für sich hilflos daran zu zerren. Wenn man das zarte Pflänzchen Liebe richtig pflegt, wird es eine Menge Blumen tragen. Schade, wenn man es verwelken lässt.

Kate: Es ist als würden sie uns kennen…

Mann: Vielleicht tue ich ja genau das.

Phil: Ach Kate, erinnerst du dich – unsere alte Hochschule, wo wir uns doch vor einer halben Ewigkeit kennengelernt haben (alter Song – ein Klassiker ertönt), liegt hier gleich um die Ecke. Weißt du noch, wir haben Nachmittage am See verbracht, haben gegrillt und die Abende mit der Gitarre am Feuer gesessen und die Songs von Johnny Cash nachgespielt. (evtl. Gitarrenmusik)

Mann: Warum fahren sie dann nicht einfach zur Hochschule und schauen sich an, wo sie damals so verliebt in einander waren und lassen die alten Erinnerungen wieder aufleben.

Kate: Die Studienzeit – Phil, da war dein Po doch noch so richtig knackig. Oh man, da wird mir gleich ganz warm. Phil, kannst du bitte die Fenster ein Stück herunterlassen.

Phil: Hey, das war nicht nett. (Lachen). Aber ok, ein bisschen Frischluft kann ja nicht schaden. (Fenstergeräusche). Und sie haben wirklich noch Zeit?

Mann: Ich habe noch nichts vor. Ich würde sie gerne ein bisschen begleiten auf ihrem Weg.
(Auto fährt los – Autogeräusche, wegfahren)

SZENE 5 AUSSEN HOCHSCHULE

(Bremsgeräusche, Auto hält an)

Kate: Oh, sieh‘ sich das einer an, der einst so schöne Platz hat doch so sehr an Glanz verloren. Eingeworfene Fensterscheiben und selbst der Putz platzt von der Fassade ab.

Mann: Genau das passiert mit Häusern, wenn man sie nicht mehr beachtet. Sie leben ihr eigenes Leben und entfremden sich. Und das passiert genau vor unseren Augen. Wir müssen eigentlich nur genau hinsehen, um es zu erkennen und vielleicht zu verhindern. Es liegt ganz an uns.

Phil: Nun werden sie doch nicht so poetisch. Lassen Sie uns lieber probieren, ob sich die Tür da vorne öffnen lässt.
(Schritte auf Schotter sind zu hören, danach ein Rütteln an der Tür)

Kate: Mist hier ist verschlossen. Ich hätte mich doch gerne noch mal drinnen umgeschaut.

Phil: Dann lass uns doch durch die Fenster einsteigen?!

Kate: Aber hier ist doch überall das Glas?!

Phil: Das kehren wir einfach mit den Händen zur Seite (Geräusche vom Wegkehren des Glases, danach ein Schnittgeräusch à Glas verletzt Phils Hand). […] Autsch.

Kate: Ich hab dich doch gewarnt. Aber du warst auch damals kaum zu bremsen. Weißt du noch, wie du den halbstarken James verprügeln wolltest, weil er mich einen Augenblick zulange angesehen hatte? Ich konnte dich nur mit größter Anstrengung zurück halten. Hier nimm das Taschentuch und drück das auf die Wunde.

Phil: Danke. Und nun lass uns das Innere erkunden.

SZENE 6 INNEN HOCHSCHULE

(Phil landet auf altem Holz – Knarren, Kate folgt einen Augenblick später)

Kate: Mensch, wie das hier aussieht. Hier standen früher mal unsere rustikalen Schulbänke und nun ist hier alles leer. Bloß noch der Staub hat hier überdauert. (Fährt mit dem Finger an der Wand entlang und pustet den Staub weg)

Phil: Ja und jetzt, nach der langen Zeit wirkt Alles so entfremdet. Und nicht nur hier.

Kate: Wie meinst du das?

Phil: Na sieh‘ uns doch an. Wie wir uns vorhin angegiftet haben, wegen einer Belanglosigkeit. Wir haben so gut nebeneinander gelebt, dass wir uns selber nicht mehr gesehen und geachtet haben. So wie wir ne Ewigkeit diese Schule nicht mehr gesehen haben. Und dennoch ist sie uns vertraut und fremd. Eigentlich hatte der gute Mann die ganze Zeit Recht.

Kate: Wo steckt der nun eigentlich?

Phil: Ich dachte er wäre hinter dir?!

Kate: Typisch – immer musst du die Verantwortung auf mich abwälzen. Du kannst die ganze Zeit hier deine scheinheiligen Geschichten erzählen, aber wenn es drauf ankommt, verfällst du immer wieder in dasselbe Muster. (schlägt aus Frust mir der Hand auf Holz)

Phil: Na klar, und du bist auch kein bisschen hysterisch. Jetzt hör endlich auf mit diesem Kinderkram. Lass uns den Mann suchen.

Kate: Wo er noch da war, war Alles zwischen uns in Ordnung, doch kaum ist er wieder weg, streiten wir uns. Haben wir denn nicht die Kraft, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen?

Phil: Als Erstes sollten wir den Mann wiederfinden. Wir haben doch heute noch einen Besuch auf dem Zeitplan stehen. (Schritte, Rufen)

(kurze Pause)

Kate: (als Erzähler) Doch die Suche nach dem Mann blieb erfolglos. Die gerufene Polizei (Handywähltöne) kam erst nach einer halben Stunde.

(Polizeisirene zu hören, schaltet beim Halten ab, Bremsgeräusche im Schotter, Autotür, Schritte im Schotter)

Polizist: Haben sie den Mann noch immer noch nicht gefunden?

Phil: Nein, er ist spurlos verschwunden.

Polizist: Mhh, das ist komisch. Sie sind nicht die Ersten, die mir von einem verschwundenen Mann erzählen. Bereits vor zwei Wochen war hier ein Pärchen, die ebenfalls behaupteten, dass ein Mann, der gerade noch auf ihrem Rücksitz angeschnallt gesessen hätte, verschwunden sei. Und vor ungefähr einem Monat ist ebenfalls ein Mann aus einer Gruppe Wanderer verschwunden und war nicht wieder gesehen.

Kate: Ist der Mann denn später wieder aufgetaucht?

Polizist: Nein, ist er in keinem der beiden Fälle. Sie sollten sich jetzt besser in ihr Auto setzen und nach Hause fahren.

Phil: Naja, wir haben eigentlich noch einen Termin.

SZENE 7 INNEN AUTO

(leise Autofahrgeräusche im Hintergrund)
Kate: Mir ist schon ein bisschen komisch bei der Sache. Einfach so zu verschwinden.

Phil: Mir ist auch ein bisschen mulmig bei der Sache, andererseits, wenn er nun wirklich nicht mehr auftaucht? Mir ist noch etwas aufgefallen. Vorhin auf dem Parkplatz beim Warten kam mir der Gedanke und die Aussagen des Polizisten haben mich in meinen Überlegungen bestärkt.

Kate: Was meinst du?

Phil: Der Mann ist genau in dem Augenblick aufgetaucht, wo wir uns richtig feindseelig gegenüber standen – am Auto – erinnerst du dich.

Kate: Ja, ich erinner mich. Ich bin dich vorher im Auto richtig angegangen.

Phil: Und was noch viel mysteriöser ist: Der Mann verschwand genau in dem Augenblick, wo wir uns zu vertragen schienen.

Kate: Ja aber danach haben wir uns doch wieder gestritten.

Phil: Auch das stimmt, aber ich denke, das war unsere Lehre, die wir aus dem Ganzen ziehen sollen. Er hat uns die ganze Zeit mit seinen Ratschlägen Tipps für das Leben gegeben. Es lag nur an uns, diese umzusetzen.

Kate: Ich, weiß nicht. Das klingt Alles sehr spekulativ.

Phil: Ja, ich weiß. Aber Eines weiß ich noch!

Kate: Und das wäre?

Phil: Du siehst in deinem Kleid einfach umwerfend aus.
(Man hört den Motor noch ein letztes Mal aufheulen, das Auto fährt davon)

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Regen (04.06.07)

Und noch immer hämmert der Regen in einem fast regelmäßigen Takt gegen die matten Scheiben an mein Fenster. Ganz langsam, zähflüssig wie Honig, zerläuft er, bis sich die Tropfen wieder mit anderen Tropfen verbinden. Ich schaue noch einen Augenblick verträumt durch dieses matte Glas und träume vor mich hin. In Gedanken bin ich in einer ganz anderen Welt, weit weg von diesem Ort.

Und so öffne ich das Fenster und lass ihn hinein: Den frischen Duft, den neuen Augenblick. Ein Gefühl von innerer Ruhe umgibt meinen ganzen Körper. Ich atme tief ein und schließe meine Augen. Kühle umspielt meine Lungen. Ein weiterer kräftiger Zug dieser fantastischen Luft umspielt die Spitze meiner Nase. Ich muss lächeln, denn genau in diesem Moment schwebt ein Gedanke an mir vorbei. Einfach so. Ich puste ihm nach, gebe ihm neuen Schwung. Und obwohl der Gedanke mich nur für einen Augenblick streifte, zauberte er mir ein wohliges Lächeln auf meine Lippen.

Mit der Spitze meiner Zunge fahre ich darüber und versuche dieses Gefühl in mich aufzunehmen. Einen Regentropfen erwische ich dabei, wie er gerade meine Wange hinunterläuft und sich in meinem Mundwinkel verirrt. Der Tropfen schmeckt nach dir. Er schmeckt wie der Duft deiner Haare nach einem sommerlichen Regenguss. In mir steigt ein Gefühl der Zufriedenheit auf und verbindet sich mit dem Hauch der Glückseligkeit im Raum.

Der Regen lässt nach. Dennoch verbleiben diese Ruhe, diese Gelassenheit und dieser angenehm frische Duft. Ein paar einzelne Tropfen können so viel bewirken. Was kann dann ein richtiger Regenguss noch anrichten.

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Trauer (07.03.07)

Du hinterlässt eine salzige Spur auf meiner Wange, als du dich umdrehst und beschließt von mir zu gehen. Ja ich habe geweint. Ich habe gefleht, vor dir gekniet und mein letzes Hemd für dich gegeben. Doch du wolltest nicht bleiben. Völlig zerstört blicke ich auf den Boden. Grober Beton brennt sich in meine Augen. Auch weinen kann ich nicht mehr. Meine letzte Träne gab ich für dich her. Aber dein Herz schlägt einen anderen Rhythmus. Und wenn es schlägt, dann schlägt es hart zu. Ja es schlägt so fest zu, dass es mich aus der Bahn geworfen hat.
Es beginnt zu Regnen. Von der Spitze meiner Haarsträhne fällt ein Tropfen auf meine Nasenspitze. Die Luft kühlt sich in kurzer Zeit sehr schnell ab. Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken herunter. Auch mein Hemd klebt unangenehm auf meiner Haut. Mit einem lauten Schrei versuche ich dein Bild aus meinem Kopf zu verdrängen. Doch noch immer erblicke ich deinen eleganten Gang. Nicht einen Blick gönnst du mir. Du trittst einfach von mir und lässt mich hier zurück. Zerstört. Gebrochen. Einsam. Ich folge deinen Duft noch eine Weile, bis er sich im dem des Regens verliert.

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Erleben von Natur (14.07.2005)

„Die Rückkehr des Lichts
Befreit aus der Umklammerung der Dunkelheit.
In Hoffnung auf Frieden in Ewigkeit.“

Das Eintreten in das große Dunkel,
Nur vereinzelt erhellt das Licht den Straßenrand.
Süße Düfte von Parfüm kleben auf dem Untergrund.
Gefangen zwischen 2 Welten von Bäumen.
Eine erholsame Frische umgibt mich.
Blätter wiegen im Takt einer mystischen Melodie.
Der Blick auf die Vollkommenheit der Wasserfontäne
Erfüllt den Körper mit Freude und Ruhe.
Angemalt von den Strahlen des Lichts,
Wie ein Spiel mit den Elementen.
Der Mond verbrennt im Hintergrund
Die überschüssige Energie des vollendeten Tages.
Das lodernde Orange im Gegensatz
Zur traurigen Erhellung einer Fassade.
Die Vergänglichkeit im Blick.
Der Blick nach vorn erhascht
Gefühle der Magie und eines Zaubers.

Auf einer Wiese liegend.
Den Duft frischer Blumen genießend.
Der Kopf den Sternen zugewandt.
Ein Glitzern der noch fernen Straßenlaternen
Unterbricht die Reise in das Unendliche.
Zurück bleiben die vielen Eindrücke,
Die Düfte, die Aromen der Natur.

Das Verlassen der verlorenen Stätte der Natur
Verbunden mit einer unangenehmen Schwüle
In der Luft und auf den großen, breiten Straßen.
Das eben noch vertraute Erklingen
Nur noch eine verblasste Erscheinung
Das Ende eines Pfades, den nur eine Seele hat betreten,
Verliert sich in den verzweifelten asphaltierten
Wegen der menschlichen Zivilisation.

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