Obdachloser verlassen vom Licht (28.07.2010)

Sonst saß er da, an seinem Platz,
doch nun sitzt nicht mal mehr der kleine Spatz
an diesem kalten, dunklen Ort.
Doch was nur zog ihn so schnell hinfort.

Früher spendete sie das Licht,
doch heute nimmt sie nur die Sicht.
Dem kranken, schwachen, alten Mann
der weder laufen noch kriechen kann.

Er schleppte sich an einen Ort, der Hoffnung bot
und ihm die Kraft gab, in seiner größten Not.
Nach ihm das Leuchten der Laterne gänzlich verschwand,
zurück blieb ihm nur das Lichtlein in seiner Hand.

Als auch das Glimmen der Kerze ohne Frischluft vergang,
schleppte er sich mit hängendem Kopf die Promenade entlang.
Fiel auf die Knie und schloss die Lider.
Da war das Licht – die Laterne leuchtete wieder.

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Die Zahnfee (27.03.09)

Es war ein mal ne kleine Fee,
die holte sich an einem See,
aus einem wunderschönen Haus,
nen Zahn aus einem Mund heraus.

Es war der Mund ner kleinen Frau,
und das wusste sie genau,
einen Zahn zuviel da hatte.
Deshalb stand sie auf der Matte.

Und der Zahn wurd‘ ihr gezogen,
doch die Fee hatte gelogen.
Der Schmerz war größer als vermutet,
Und wär die Frau auch fast verblutet.

Doch es war eine kluge Fee,
denn als es tat am meisten weh,
gab sie der Frau nen guten Rat:
Besser, wenn man Freunde hat.

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Elemente der Macht (12.12.06)

Am Himmelsgestirn schieben die Wolken sich nur träge dahin.
Es stellt sich die Frage nach des Wetters Sinn.

Aus grauem Asphalt wird schnell das Bett eines Stroms.
Die Tränen des Himmels fließen nun auch zu Füßen eines Doms.

Der Zorn der Lichtes – Nun wird der Horizont erhellt,
von grellen Blitzen wird ein prächtiger Baum gefällt.

Ein lauten Grollen – Die Kraft der Geräusche schlägt zurück.
In meinen Augen verweilt bloß ein angstvoller Blick.

Mit einer starken Brise bläst der Wind die Wolken fort.
Und nur die schimmernden Sterne pranken jetzt an diesem Ort.

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Geschichtenerzähler (16.11.06)

Einst suchte er auf ganzer Welt,
denn überall wurden sie ihm erzählt.
Große und auch kleine Ideen
ließ er später auf seinem Papier entstehen.

Von Drachen, Feen und Zauberern
erzählte er besonders gern.
Doch von Gnomen oder Fabelwesen
man hörte ihn nur selten lesen.

Sprach von Weisen, die das Leben schreibt
auf eine Weise, die einem Jedem im Gedächtnis bleibt.
Traurig lustig, schummrig und schön,
nur selten ward hier solch ein Mensch gesehn.

Sie kamen zahlreich – Jung und Alt.
Nicht vor der kleinsten Geschichte machten sie halt.
Mit Emotion und Worten hielt er sie in zauberhaftem Bann.
Sie saugten auf ein jedes Wort, das seinen Lippen entrann.

So philosophierte er oft bis tief in die Nacht.
Nicht auf Gewinn oder Geld war er bedacht,
denn ihm genügten das Schmunzeln und das Glücklichsein
der jungen und der etwas älteren Kinderlein.

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Untergetaucht (04.07.06)

Die Hand ward ihm genommen
durch des Feuers grausames Schwert.
Die Welt um ihn verschwommen,
was ist er hier noch wert.

Sein Job wurd‘ ihm gekündigt,
ein neues Leben, jetzt zu Haus.
Hat er denn so gesündigt?
Er will jetzt nur hier raus.

Ihn zug es auf die Straße
zu einem Neuanfang.
Daheim blieb auch der Hase
sein ganzes langes Leben lang.

An den Brücken ebenso wie an dem Bier
fand er schnell viel Gefallen.
Es zog ihn weg vom „Mir & Dir“.
Doch hört man ihn durch dunkle Straßengassen lallen.

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Blickwinkel (03.07.06)

In strahlendem Glanz, doch in weiter Ferne
ein Funkeln, fast so wie die Sterne.
Doch das Objekt bleibt noch weit zurück.
Es ist ein ewig langer Blick.

Im Vordergrund fliegen Momente des Lebens an mir vorbei.
Doch am Horizont noch Alles beim Alten – es bleibt dabei.
Voll Eleganz und Anmut, doch nur ein kleines Stück
es scheint doch fast wie ein Trick.

In meiner Nähe die schöne Blume verschwindet,
Wo die Ferne nur noch Gelassenheit verkündet.
Was eigentlich unerreichbar scheint, währt letztlich länger in meinem Blick.
Und beschert mir einige Augenblicke länger Glück.

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Der Vorbote der Nacht (08.06.06)

Die Vögel stellen ihren friedlichen Gesang ein.
Eisiger Wind streift scharf mein Gesicht.
Kleine grüne Frösche verschwinden mit einem merkwürdigen Geräusch in ihrem Tümpel.
Verängstigte Frauen schieben hastig ihre Kinderwagen weiter.
Herrlich duftende Blumen verschließen ihre Blütenpracht.
Die grünen Blätter in den obersten Baumwipfeln hören auf zu rascheln.
Vereinzelte Sandkörner rollen sich zu den Begrenzungssteinen des Weges und suchen Schutz.
Dann steht er auch vor mir und bedeckt mich mit seinem großen schwarzen Mantel.

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Eine neue Welt (09.04.06)

Wortlos schweigend, trauernd blicklos,
abgewendet jedem Glück.
Schritt in eine andere Welt
und kein Blick fiel noch zurück.

Sein Herz kam näher wonach es sehnte,
drang hinfort aus leblosen Sphären
und fand den Ort wonach es suchte.
Möge das Glück auf ewig währen.

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Welt voller Leben (09.09.05)

Wer bringt die Wellen im Meer zum Brechen?
Wer zwingt Mücken dazu den Menschen zu stechen?

Wer lässt die Äpfel von den Bäumen fallen?
Wer sagt den Tönen von den Wänden zu hallen?

Wer schaufelt den ganzen Sand an unseren Strand?
Wer schiebt abends die Sonne von des Tellers Rand?

Wer schenkt dem Vögelchen morgens sein Zwitschern?
Wer zaubert auf die glücklichen Augen ein Glitzern?

Wer entscheidet in diesem Trubel zwischen Nehmen und Geben?
Und wer erweckt unsere Welt zum Leben?

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Wenn Elend aufkommt (26.08.05)

Wenn verdreckter Schlamm eines Flussbettes den Teppich eines Kinderzimmers befleckt,

Wenn Windböen ganze Wohngebiete in Felder verwandeln,

Wenn Husten und Fieber die Bevölkerungszahl eines ganzen Landes halbieren,

Wenn Hunger die Menschen auf dem Boden zusammenkrümmt,

Wenn Feuer einst schöne Erholungsgebiete zu trostlose Wüsten verbrennen,

Wenn Insekten die Arbeit eines ganzen Jahres vernichten,

Wenn Oasen durch andauernde, viel zu lange Wärmeperioden zu Trockensavannen werden,

Wenn Schnee und Kälte eben nicht nur Eisblumen an die Fenster malen,

Dann verzweifelt der Mensch an dem höchsten Gut dieser unserer Welt:

Der Natur

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