Alltag (26.08.05)

Punkt Sechs Uhr in der Frühe
kriecht ihm der Duft von Kaffee in die Nase.
Nimmt seinen Löffel und rührt um die braune Brühe.
Um Futter bettelt auch der Hase.

Die Uhr zeigt Sieben. Er besteigt seinen Wagen,
denn sein Kollege braucht wieder einen Fahrer.
Er dreht am Schlüssel – schon meldet sich der Magen.
Genehmigt sich einen Schnaps – schon gleich viel klarer.

Schlag Acht liegt auch die Zeitung an seinem Platz.
Die Arbeit beginnt von Neuem.
Zu Füßen murrt schon Cheff’chens Katz‘.
So langsam sich auf die Frühstückspause freuen.

Um Neun Uhr ist es dann soweit.
Eine gestriegelte Meute bewegt sich gen Aufenthaltsraum.
Auch unser Anwalt macht sich bereit.
Am gemeinsamen Essen beteiligt er sich kaum.

Beim Zehnten Schlag erwartet ihn der erste Kunde.
Die Arbeit, wie immer sein erster Gedanke.
Auch der Postbote dreht seine Runde.
Draußen ächzt noch immer diese Schranke.

Zur Elften Stund‘ geht es zu einem Treffen.
mit all seinen großen Vorgesetzten.
Diskutiert wird der Fall von diesem Praffain
und wie sie ihre Gegner wieder hetzten.

Es war Punkt Zwölf, er nutzte diese Lücke,
nahm sich sein Leben und sprang von einer Brücke.

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In der Fremde (03.08.05)

Nicht verstanden, seiner Sprache wegen
saß er daneben, etwas abschüssig.
Die unheimliche Stille kam ihm ungelegen,
fühlte sich so überflüssig.
Allein in einer anderen Welt.

So wandelte er verlassen daher
durch die ihm fremden Gassen.
Häuserfassaden schriehen nach mehr,
selbst in den Parks fühlte er sich verlassen.
Eine Umgebung, die ihn entfremdete.

In Gedanken, so lag er auf einer Bank,
blickte in den Himmel und schaute verträumt.
Streckte sich aus und machte sich lang,
welche schöne Zeit er doch versäumt.
Zeit, die für ihn nun verloren ist.

Alles um ihn herum lebt nach einer anderen Kultur,
Strebt nach anderen Prinzipien und deren Gewohnheiten.
An Anderes denken bleibt ihm wohl nur.
Nur sein zu Hause erinnert ihn an bessere Zeiten.
Heimat ist ein unvergessliches Gut.

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Kindertränen (11.05.05)

Unverstanden sitzt sie allein hier im dunklen Garten.
Grübelt über die Welt und denkt sich „Was für ein Leben“.
Alle sagen, sie hat das ganze Leben noch vor sich – sie soll warten.
Gibt es doch mehr als nur einen Blick nach rechts und links anzustreben.
Verloren in ihrer eigenen Welt, mit traurig trüben Blick.

Der Tag ist düster, alle beisammen in einem engen Zimmer.
Ein leiser, sogar fast stummer Schrei dringt aus der Ecke.
Der Vater erhebt sich und gebietet: „Schluss mit dem Gewimmer“.
Doch nicht allein das Wort gab den Ton.
So blickt das Kind schweren Kopfes an die Decke.

Auf einer Straße sprach er zu ihr mit lieben, netten Worten.
Zog sie sanft in sein Auto und fuhr mit ihr in sein Reich.
öffnete ihr mehrere tausend Pforten.
Sie wurde aber trotz aller Versuche nicht weich.
Sie zog sich zusammen und es überkam sie eine fröstelnde Kälte.

Ein vertuschtes Elend meist auch im privaten Bereich,
wird selten erkannt und viel zu oft verschwiegen.
Die Täter sehen es als Befriedigung oder gar einen Streich.
Verstecken ihre Straftat hinter all den verbotenen Intrigen.
Doch selbst die öffentlichen Verbrechen werden viel zu oft einfach hingenommen.

Anfangs nur kostümierte Menschen, mit einer Waffe in der Hand.
Nun schon rollen Kettenfahrzeuge durch unsere Vorgärten.
Zerstören Kästen – früher noch gefüllt mit Sand.
Er war auch noch klein – zu schwer als sie ihm das erklärten.
Seine Traurigkeit drückte er fest in seinen Teddy hinein.

Kinder, die weinen und sich nicht wehren.
Ältere zerstören hier Leben – ganz ohne die alten Ehren.
Solange diese dicken schweren Tränen fließen
und Menschen weiterhin ihr Blut vergießen,
solange wird auch diese Welt in einem Meer aus Tränen leben.
Solange bis sich diese grausamen Menschen endlich ergeben.

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Einen Menschen restaurieren (27-04-05)

Es blättert schon die äußere Haut ab von der Gestalt.
Dieses Bild ist schon lang nicht mehr wie gemalt.
In der Panik seine letzte Stunde läutet.
Fast so als ob er nicht mehr ganz so viel bedeutet.

Auch ein Mensch kommt einmal in die Situation.
Da schenkt ihm das Leben nicht mehr den verdienten Lohn.
Auch möchte er wie solch eine Statue wechseln die alte Haut.
Es zu sagen hat er sich noch nicht getraut.

Wie er versucht dem Leben zu entrinnen.
Und seinen eigenen großen Faden zu spinnen.
so merke ich, dass ich auch gefangen bin.
Von Kopf bis Fuß, von der Ferse bis zum Kinn.

Ein Mensch lässt sich nicht so einfach ausbessern.
Nicht ganz so einfach, wie eben mal die Blumen zu wässern.
Man arbeitet an Charakter, am Aussehen und der Seele.
Viel zu viel, was nicht nur ich hier garnicht empfehle.

Ein Mensch bleibt der Mensch, stets der er ist.
Auch wenn du nicht dieser Überzeugung bist.
Die Natur und das Ehrliche im Menschen
Ist genau das, was sich viele Träumer wünschen.

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Nur noch eine Ruine (24.04.05)

Die alten Mauern weinen vor sich hin.
Die Zeit nahm dem Häuschen jeden Zweck und jeglichen Sinn.
Nun steht da eine Ruine wo einst noch Menschen wohnten.
Sie von ihrer Arbeit entspannten und sich mit Freizeit belohnten.

Ich bin nun ein alter Mann.
Bestaune dieses Gemäuer – schau es mir voll Erfurcht an.
Die schöne Zeit die wir hier verbrachten.
In der wir so viel Mist miteinander machten.

Du hingst das Bild falsch herum am Nagel auf.
Ich lief im Kreuzfüßlergang die Treppen rückwärts rauf.
Wir empfingen auch manch ganz unrühmliche Gast.
Erledigten unsere Aufgaben mal ganz ohne Hast.

Genau so bekamen diese Mauern das Leben.
Heute sind da nur noch Wände und diese Spinnweben.
Trostlos und verlassen liegt der Hof hier da.
Nicht nur mit einer Träne ich in die Vergangenheit sah.

Zu einer Zeit der Grausamkeit und des Elends wurden wir von diesem Ort getrennt.
Nur schade, dass außer uns niemand mehr dieses schöne Fleckchen Erde hier noch kennt.
Die Kinder spielen vor meinen Augen noch im Sand.
So gingen wir damals, zusammen Hand in Hand.

Nach einer Zeit des Leidens bekam uns das Leben in der Stadt.
Jedoch wurde weder ich noch du so richtig satt.
Man lebte, aber seit fortan nicht mehr in einer Welt.
Versteifte sich zunehmend auf den Erfolg und das Geld.

Du verstarbst und ich trauerte Nacht um Nacht.
Kann es nicht mehr verstehen, wenn ein Mensch noch lacht.
Zum Gedenken und zu der Erinnerung kam ich zurück an diesen Ort.
Nun treibt mich von hier gar nichts mehr fort.

Mein neues altes Leben begann, wenn auch nur allein.
Nun fühl ich mich dafür endlich wieder wie daheim.

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Von Geld und Natur (10.03.05)

Einst noch dieses schönste Fleckchen Wald.
Dennoch vernichtet ihn der Bagger bald.
Wo einst noch viele Bäume standen,
steht nun ein Hotel, geschmückt mit Partygirlanden.

Ein Teich musste einem Tagebau weichen,
denn es musste ja die Kohle reichen.
Jetzt nur noch ein Feld mit Matsch und Schlamm,
wohin man früher noch zum Grillen kam.

Eine große Wiese mit Schmetterlingen und Faltern
wurde das Opfer von Stadtverwaltern.
Man bewundert nicht mehr Klee und Mohn,
sondern wandert hinweg über Stein und Beton.

Aber als Mutter Natur die Menschen mit ihren Kräften in die Schranken wies,
jeder sich schweigend auf die Zunge biss.
Keiner der Großen sah es kommen.
Sie blickten alle nur reudig und benommen.

Heute wurde ein neuer Garten wieder hergestellt.
der am Ende sowieso wieder verfällt.
Nichts gibt es, was mich hier noch hält,
denn am Ende scheitert unser Wohl am Geld.

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Ausgegrenzt (02.02.05)

Du verdienst keinen Namen und keinen Respekt.
Du bist ein jemand der sich gerne versteckt.
Dein Auftreten und Wirken ist völlig egal.
Abgedeckt von einer Masse in Form eines Schal.

Hast stets gegengesteuert und auch viel versucht.
Wurdest immer missachtet und niemals besucht.
Wenn alles, nur alles gegen dich ist,
Wirst du im Normalfall gar nicht vermisst.

Gefangen bist du in einem Teufelskreis.
Egal was du sagst es klingt nicht sehr weis.
Du bist für alle der Sündenbock.
Ein nutzloser Typ, ein sinnloser Pflock.

Wenn keiner da ist, der zu dir steht.
Du kommst nie mehr pünktlich, sondern immer zu spät.
Es fehlt dir am Leben die rechte Lust.
Du trinkst ihn dir weg deinen inneren Frust.

Du verendest allein am Straßenrand.
Du bist ja auch nicht sehr bekannt.
Dich schwemmte hinfort ein trostloser Bach.
Ein neuer Fall – das gleiche Fach.

Erst jetzt fällt auf, du bist nicht mehr hier.
Die Kollegen merken’s beim 3. Bier.
Es war ja keiner – Niemand ist Schuld.
Sie üben sich weiter in einsamer Geduld

Die Opfer sie werden aufs Gemeinste gequält.
Die Schuldigen jedoch werden niemals gezählt.
Doch sie entgehen ihren eigentlichen Strafen.
Wie können sie je wieder ganz ruhig schlafen?

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Ausgesetzt (31.01.05)

Triste dunkle Straßenlandschaft.
Arme junge Opfer – wenig Lebenskraft.
Ihr Zuhause ist die Straße.
Leben in der Menschenmasse.

Eine Chance fürs spät’re Leben.
Dieser Weg ist ihm vergeben.
Und vielleicht das Recht auf Bildung.
Dazu fehlt ihr der nötige Schwung.

Elternlose Zukunftspläne.
Hausungen und Sägespäne.
Bettelarm und hoffnungslos
Schmutz’ges Hemd – zerfetzte Hos‘.

Diese Opfer ohne Wunsch.
Fragen nicht nach großem Punsch.
Wollen nur geborgen sein.
Bleiben doch auf ewig allein.

Wer hat ihnen sowas angetan?
Gab dem Leben diesen falschen Plan?
Starkverarmte kranke Wesen.
Diese Eltern ohne Spesen.

Trifft nur diese Wesen Verantwortung.
Vielleicht liegen wir falsch mit uns’rer Beschuldigung.
Die wahre Schuld liegt auch bei mir.
Kaufe jede Ware, Nahrung, Tier.

Die wahre Schuld liegt bei uns Reichen.
Müssen nicht uns nur das Nötigste erschleichen.
Das Geld das geht in unser Wohl.
Die Menschen bräuchten es für ihren Kohl.

Das Leben nun für sie verloren.
Sie werden niemals neu geboren.
Sie sterben einsam, sterben leise.
Nur für uns beginnt die Reise.

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Auf Einmal – Das Wasser (31.01.05)

Das große Panik kam auf.
Ein großes Beben erschütterte die Welt.
Durch Nichts und Niemand aufzuhalten – daran scheitert auch ein Held.
Und das Wasser folgte gleich darauf.

Viele Menschen verloren alles – ihr ganzes Hab und Gut.
Vor allem die kleine Paula am Straßenrand.
Nicht einmal der Aufenthalt ihrer Eltern ist uns bekannt.
Lediglich ein Foto ihrer Mama gibt ihr den letzten ihr Mut.

Das Wasser ist getrocknet, doch viele Tränen fließen.
Paula ist nun ganz allein,
Kehren ihre Eltern denn nie mehr heim?
Was für ein sinnloses Blutvergießen.

Mutter Natur präsentierte mal wieder volle Stärke und Macht.
Die Riesenwelle machte alle Existenzen zunichte.
Alle Erinnerungen und Werte sind nur noch Geschichte.
Die Flut kam zwar leise, jedoch nicht mit der Nacht.

Eine Massenkatastrophe – sie zeigt auch das Einzelschicksal.
Ein jeder Mensch ist tief betroffen – auch wenn nur tief im Herzen.
Über ein solch schlimmes Ereignis, wie kann ein Mancher nur scherzen.
Die Welt wirkt hier nur trostlos und kahl.

Die Häuser werden wieder aufgebaut.
Viele Freiwillige packen hilfreich mit an.
Jeder versucht zu tun, was er nur kann.
Nur der Frust gegen die Welt der Natur bleibt tief im Herzen verstaut.

Dank der Solidarität der Welt.
Dank den vielen, vielen Spenden.
Viele Opfer müssen nicht verenden.
Auch Menschen halten zusammen – es scheitert nicht am Geld.

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Krieg (27.01.05)

Ein Strom, der nur noch blutwärts fließt,
Ein Mann, der nur noch Tränen gießt.
Ein Held, der längst gefallen ist.
Ein Mensch, den man so leicht vergisst.

Die Kugel, die ihr Ziel noch traf,
zerteilte Leben und tötete brav.
Der Schuss, der auch die Freunde legte,
Und all die Friedenshoffnung wegfegte.

Der Kampf, der seinesgleichen sucht.
Ein Spiel, das stets grausam verflucht.
Die Politik, das Schach der Bosse.
Kampfmaschinen – Kriegskollosse.

Der eine fällt, der andere geht.
Was stört es uns, es ist doch spät.
Das Gräuel wird verdeckt vom Dunkeln.
Selbst hilft nicht mehr ein Sternenfunkeln.

Der Große weint, der Starke trauert.
Der Rückweg so und so vermauert.
Ein Kampf, den man so leicht verliert.
Kein Mensch sich mehr davor geniert.

Ein Spiel, gespielt und ohne Regeln.
Ein Kampf, der gleicht dem klassischem Kegeln.
Ein Streit und auch noch ohne Sieg.
Das ist es, das nennt ihr Krieg.

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