Weihnachtsgeschichte 2007 – Auf der Suche nach dem Weihnachtsmann

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 – Alle Jahre Wieder
Kapitel 2 – Mission Afrika
Kapitel 3 – Down Under
Kapitel 4 – China – Land der Drachen und Mythen
Kapitel 5 – Der Südpol – Besuch beim Nikolaus
Kapitel 6 – Was aus dem Weihnachtsfest wurde


Kapitel 1 – Alle Jahre Wieder

Schneegestöber. Dicke Flocken und ein eisig kalter Wind ließen die Türklinken zu wahren Frostgebilden und die sonst so farbenprächtigen Bäume zu weißblauen Eisgewächsen werden. Nach einigen wärmeren Tagen im Sommer kehrte nun die eisige Kälte zurück und ließ die Ohren rot werden und die Nasenspitzen erfrieren. Väterchen Frost hatte sich den wohlverdienten Platz am Nordpol zurück erkämpft.

Auch in der Werkstatt des Weihnachtsmannes begann der Betrieb nun so langsam. Die ersten Helfer und Helferchen trafen ein und bezogen ihre Quartiere. Schon nach einigen Tagen lag der süßliche Duft von Kuchen und Plätzchen in der Luft und aus den Schornsteinen stiegen rauchig, weiße Dampfschwaden empor. Es herrschte schon bald ein aufgeregtes Treiben und viele kleine und noch kleinere Helferchen rannten scheinbar planlos umher, überbrachten merkwürdige Dinge und verursachten ein für Außenstehende sehr chaotisches Durcheinander. Der Arbeitsalltag begann. So auch für Wichtel Willi, einen kleinen, freundlichen Gesellen mit dickem Bauch und roter Wichtelmütze auf seinem Kopf. Der kleine Mann sorgte im letzten Jahr für viel Furore im Weihnachtsmannschloss, als er in einer bisher noch nie da gewesenen Aktion das zugeschneite Schloss mit der warmen Luft seines Föhns von den Eiszapfen an den Schlössern befreite und somit das Weihnachtsfest für viele Kinder rettete. Und auch dieses Jahr sollte er an dem Gelingen des Weihnachtsfestes maßgeblich beteiligt sein.

Nach der ersten Woche war die Routine in viele Arbeitsprozesse eingekehrt. Alles wirkte auf einmal viel organisierter. Und doch fehlte etwas. Der Weihnachtsmann höchstpersönlich hatte sich noch immer nicht aus seinem Sommerurlaub zurückgemeldet. Und das war bisher noch nie passiert. Der eigentliche Kopf des Weihnachtstreibens auf dem Schloss fehlte bei wichtigen Entscheidungsaufgaben. Allmählig türmten sich Berge von Wunschzetteln auf seinem Schreibtisch. Die Kollegen von der Geschenke-Verpack-Station konnten wegen der fehlenden Namensschildchen nicht mit dem Verpacken der Geschenke beginnen. Sie halfen vorerst in der Küche und in der Werkstatt aus, wo es um diese Zeit immer viel zu tun gab. Als Wichtel Willi wegen eines dringenden Auftrages das Büro des Weihnachtsmannes betrat, flogen ihm unzählige Wunschzettel um die Ohren. Auf dem Tisch und ringsherum auf dem Fußboden stapelten sich meterhoch die Wünsche von Millionen Kindern. Eine Staubschicht lag jeweils auf dem obersten Blatt. Der Weihnachtsmann konnte noch nicht hier gewesen sein.

Wichtel Willi begann mit seiner Suche im Schloss. Er fragte bei den Weihnachtselfen und suchte in der Werkstatt. Aber selbst in der Backstube traf er den alten Mann mit weißem Bart nicht an. Und so beschloss Willi im Sommerquartier des Weihnachtsmannes weiter zu suchen. Denn hier im Schloss hatte ihn seit dem letzen Winter noch keiner gesehen.
Für unseren Wichtel begann eine aufregende Reise. Doch erst nach einer Woche und einer langen Reise erreichte er das Sommerdomizil des Weihnachtsmannes.

Kapitel 2 – Mission Afrika

Der Weg hierher war anstrengend und doch entschädigte der erste Blick für die vielen Reisestrapazen. Eine Löwin, die ihren Jungen über den Kopf schleckte und eine Horde Elefanten, die sich am Fluss gegenseitig mit ihren Rüsseln abduschten, fielen Willi sofort in den Blick. Solch mächtige und starke Wesen hatte er zuvor noch nicht gesehen. Überhaupt hatte ihm die Welt bisher nicht viel offenbart. Noch nie war er so weit gereist und hatte fremde Kontinente oder gar andere Kulturen kennen gelernt. Doch trotz all der schönen Momente, die ihn zu überwältigen schienen, vergaß er nicht, weswegen viele Wichtel und Elfen gerade auf ihn zählten. Und so zog er mit einem kleinen Stock, an dem ein Bündel befestigt war, durch die Landen, durchstreifte kleine und große Täler, ehe er zu dem Fuße eines mächtigen Berges gelangte. Die Einheimischen nannten den Berg ehrfurchtsvoll „Kibo“ und auch unserem kleinen Wichtel verschlug es kurz den Atem. Auf der Spitze dieses mächtigen Steingebildes lag etwas das ihm aus seiner Heimat sehr vertraut vorkam. Es sah aus wie der Zuckerguss auf einem Pfannkuchen. Nun war Wichtel Willi klar, warum der Weihnachtsmann hier seinen Urlaub verbrachte. Besser entspannen konnte man nirgendwo. Nach einiger Zeit erblickte er eine kleine Holzhütte zu Fuße dieses heroisch anmutenden Steingebildes. Die Tür stand offen und unserem Wichtel beschlich ein ungutes Gefühl. Irgendetwas war hier vorgefallen. Mit den Fingerspitzen stieß er die Tür noch ein Stückchen weiter auf und die Sonne durchflutete die durch die Rollladen doch so abgedunkelte Hütte. Zettel flogen umher. Es sah aus wie ein heilloses Durcheinander. Alle Schubladen waren aufgerissen worden, selbst die Bücherregale waren umgeschmissen worden. Und dennoch lag ein Buch mit aufgeschlagenen Seiten, scheinbar gewollt und der ganzen Unordnung entgegen, so augenscheinlich inmitten der ganzen Zettel und Seiten. Willi hob es behutsam auf und hielt es dicht vor seine Augen, damit er den Titel genau erkennen konnte. Es war ein Kinderatlas und die aufgeschlagene Seite zeigte den wohl kleinsten Kontinent auf unserem Erdball. Der Wichtel kannte ihn bisher nur von einigen Erzählungen und Sagen. Da er keinen weiteren Hinweis für den Verbleib des Weihnachtsmannes fand, beschloss er seine Reise fortzusetzen. Nach einem kräftigen Schluck verstaute er die Wasserflasche wieder in dem kleinen Beutel um den Gürtel.

Er wanderte erneut mehrere Tage durch grünes Land; durch Berg und Tal, ehe er den großen Ozean erreichte. So flog der kleine Willi auf riesigen Seevögeln über das Wasser und ritt auf mächtigen Walen durch das Meer. Seiner Ankunft auf dem australischen Kontinent sollten einige weitere spannende Abenteuer folgen.

Kapitel 3 – Down Under

Die großen Wellen brachen sich am hellgelben Strand und hinterließen kleine, glitzernde Sandkörner. Weich wie Samt trat Willi in den nassen Boden und versank knöcheltief darin. Der Strand verlief kilometerlang und weit und breit war kein Mensch zu sehen. Die Möwen umkreisten seinen Kopf und stimmten ein Lied des Krächzens und Krähens an. Unter dem großen Zehennagel sammelten sich die Sandkörner, kitzelten den kleinen Wichtel und entlockten ihm ein lautes Lachen. Den Kopf etwas freier besann sich Willi auf sein Anliegen und forschte weiter nach seinem Chef. Auf seiner Suche traf er auf echte Ureinwohner, auch Aborigines genannt. Die braungebrannte Haut und das etwas andere Weltbild der Indianer Australiens faszinierten ihn. Die hilfsbereiten Männer und Frauen begleiteten den Wichtel viele Tage auf seiner Reise. Beim gemeinsamen Singen verging die Zeit und auch die vielen Reisestrapazen waren sogleich ein bisschen besser erträglich. Bei einer Geschichte am Lagerfeuer, die von Mythen und Sagen handelte, sprach ein dunkelhäutiger Mann von einer seltsam aussehenden Gestalt im roten Gewand, die von zwei kleinwüchsigen Menschen begleitet wurde und ebenfalls dieses Land bereiste. Wo der Wichtel in dem einen Moment noch gedankenverloren ins Feuer geschaut hatte, hörte er nun interessiert zu. Bahnte sich da etwa die erste wirkliche Spur an? Willi hakte nach und erfuhr, dass der alte Mann zuletzt an dem größten See Australiens, dem Lake Eyre, gesehen wurde.

So brach unser kleiner Freund erneut auf, verließ mit einem satten Bauch die neugewonnen Freunde und folgte in einem scheinbar endlosen Marsch den langläufigen Straßen soweit, bis er Blasen an den Füßen hatte. Seine Rettung war, dass er im Licht der brütenden Mittagssonne, den wohl gigantischsten See erblickte, den sein Auge jemals gesehen hatte. Schnell fanden seine Füße eine wohlverdiente Abkühlung und auch er genehmigte sich einen tiefen Schluck aus dem kühlen Nass. Als er den Kopf wieder hob, schwamm in etwa hundert Meter Entfernung etwas Eigenartiges auf dem See. Seinem Gespür folgend, sprang er in das nasskalte Wasser und schwamm auf das seltsame Objekt zu. In seinen Händen fand sich nun ein großer Leinensack wieder, der nur aus nordischen Fasern gewebt sein konnte. Willi war sich sicher: Hierbei konnte es sich nur um den Sack des Weihnachtsmannes handeln. Auf der Innenseite befanden sich ein paar merkwürdige Schriftzeichen. Nach einem kurzen Besuch in der Nationalbibliothek hatte er schon die Antwort eines weisen, alten Bibliothekars auf einem kleinen, zusammengefalteten Zettel stehen. „China. Gehe deinen Weg.“, sollten die Schriftzeichen bedeuten.

Und so begann die Reise aufs Neue. Ein Laufvogel brachte den kleinen Wichtel in Windeseile an die Nordseite des australischen Kontinentes, wo er in ein Schiff stieg, dass ihn innerhalb von 3 Tagen in die chinesische Hauptstadt bringen sollte. An Bord befanden sich viele asiatisch anmutende Gestalten und nachdem die gegenseitige Zurückhaltung gewichen war, verbrachten Willi und einige chinesische Bürger die Zeit zusammen an Deck und lernten voneinander. Willi berichtete von seinen Erlebnissen und erfuhr gleichzeitig etwas über die Kultur und die Menschen des doch so fernen Chinas.

Kapitel 4 – China – Land der Drachen und Mythen

Groß und mächtig ragten die überdimensionierten Hochhäuser in die Luft. Willis Mund blieb offen stehen, als er von Bord des Kreuzfahrtschiffes ging. Seinen Auftrag im Blick streifte er durch die tiefen Häuserschluchten auf der Suche nach einem Zeichen vom Weihnachtsmann. Doch irgendwie schien von diesem Ort kein wohliges Weihnachtsgefühl ausgehen. Weihnachten hatte für unseren Wichtel immer mit Schwibbögen, Kerzen und Weihnachtsbäumen zu tun. Hier fanden sich jedoch nur bunte Lampions und seltsam verzierte Häuserfassaden wieder und erzeugten ein fremdländisches Flair. Willi irrte stundenlang planlos umher und kam sich in dieser großen Stadt sehr einsam vor. Außerdem vermisste er seine kleine Lieblingselfe Meggie, die nun schon mehrere Wochen alleine zu Hause auf ihn wartete. Kühl blies ihm der Wind durch das Haar und Willi erblickte einen seltsamen kleinen Laden. Das Eingangsschild verkündete: „Spielereien einer verloren gegangen Welt“. Wenn dieser Laden verloren gegangene Spielzeuge führte, dann hatte er vielleicht auch den Weihnachtsmann gefunden oder mindestens einen Hinweis auf dessen Verbleib. Mit einem orientalischen Gong im Ohr trat der Wichtel in die dunklen Räumlichkeiten ein. Es roch ein wenig nach altem Leder und dann gleich wieder so, als ob hier ein Feuerwerk gezündet worden war. In jedem Fall lag etwas Besonderes und Unbekanntes in der Luft.

Ein kleiner runzliger Geselle mit recht wenig Haaren auf dem Kopf kam hinter der Ladentheke zum Vorschein und hielt eine süßlich duftende, mit orientalischen Schriftzeichen verzierte Kerze in der Hand. „Womit kann ich Ihnen dienen?“, fragte der ältlich blickende Ladenbesitzer. Willi war sichtlich unwohl bei seiner Frage: „Ich vermisse Etwas, oder besser Jemanden. Und es ist ganz dringend, dass ich es zurückbekomme.“ Die Mundwinkel des Ladenbesitzers zuckten einen kurzen Moment nach oben und Hoffnung kehrte auch in des Wichtels Gesicht zurück. „Ich habe da Etwas für dich.“, meinte die seltsame Gestalt, „doch dafür verlange ich Etwas von dir, dass ich noch nicht in meinem Laden habe. Du verstehst sicher, ich bin ein großer Sammler und ständig auf der Suche nach neuen Objekten und Dingen für meinen Laden. Also gibt es bei mir nur Tauschgeschäfte.“ Der Wichtel runzelte seine Stirn. Willi schoss ein Gedankenblitz durch den Kopf: Der Kinderatlas aus Afrika, den hatte der kleine Gnom bestimmt noch nicht. Und tatsächlich, unser Wichtel sollte erneut Glück haben und bekam im Tausch einen grauen Stein in die Hand gedrückt. „Was soll das?“, fragte der Wichtel sichtlich entnervt. „Ich dachte wir machen hier ein Tauschgeschäft mit Vorteilen für uns Beide und du gibst mir nur diesen Stein?!“ – „Das ist kein gewöhnlicher Stein. Schau, hier ist eine uralte Drachenrune eingraviert. Die Sagen und Geschichten behaupten, dass der Stein Menschen in Notsituationen hilft. Er ist tief mit den chinesischen Grundfesten und Ideologien verbunden. Möglich ist, dass er eine Verbindung zu den wohl weisesten Wesen auf unserem Planeten, den Drachen, schafft. Man sagt, Drachen leben ewig und seien unsterblich. Sie gelten zudem als allwissend und sehr intelligent. Nun möge dieser Stein dir deinen Weg weisen.“ Mit diesen Worten verschwand der seltsame kleine Mann wieder hinter seiner Ladentheke und ließ den Wichtel alleine mit dem grauen Ding zurück. Ein wenig enttäuscht, verließ Willi den Laden und trottete wieder einsam, aber mit einem kleinen schweren Stein in der Tasche durch die Gassen und Straßen.

Wieder kam die Einsamkeit in ihm hoch und eine kleine Träne rollte an seiner rauen Wange herunter. Und dann geschah etwas, was der Wichtel nicht für möglich gehalten hatte. Der Stein in seiner Tasche begann sich zu bewegen und eine mystisch tiefe Melodie begann zu singen. Einer Weile folgte Willi dieser ungewöhnlichen Melodie, bis ihn eine noch tiefere Stimme aus seinen Träumen riss: „Sehr geehrter Weihnachtsmannwichtel Willi. Mein Name ist Dragomir, ich bin der älteste der Fünf aus dem Stamm des edlen Drachengeschlechts. Du schaust betrübt aus und ein tiefer Schmerz liegt über deinem Herzen. Womit kann ich dir dienen?“ Total verblüfft stand unserem Wichtel der Mund offen und erst nach einigen Sekunden entsprang wieder ein Ton seiner Kehle: „Ich habe lediglich eine Frage an das edle Geschlecht der Drachen: Der Weihnachtsmann ist verschwunden und niemand, nicht einmal ich, hat ihn seit letztem Jahr gesehen. Können Sie, edler Drachenfürst, einen Hinweis auf seinen Verbleib geben?“ – „Mein Weitblick kann nicht den genauen Aufenthaltsort, des von dir gesuchten Mannes bestimmen. Seine Position scheint verschleiert. Doch ich gebe dir einen Hinweis, der dich zu ihm führen sollte. Folge der tiefstehenden Mittagssonne Richtung Süden, solange bis du das Polareis des Südpols entdeckst. Dort wohnt ein naher Verwandter der von dir gesuchten Person.“. Willi wollte sich bedanken, doch der Stein war soeben verstummt und wieder ein gewöhnlicher grauer Klumpen in des Wichtels Hand geworden. Und so ging die Reise weiter: Auf zum Südpol. Auch die Hoffnung war in Willis Herz und in seine Seele zurück gekehrt. Stand des Rätsels Lösung nun endlich kurz bevor?

Kapitel 5 – Der Südpol – Besuch beim Nikolaus

Ein klein wenig heimische Stimmung breitete sich in dem Herzen jenes Wichtels aus, der immer noch auf der Suche nach dem Mann im roten Gewand war. Die Flocken fielen wieder und eine breite Eismasse lag zu Füßen unseres Freundes. Als seine kleinen Zehen nun endlich den weiß glitzernden Schnee berührten, wurde er von einer Pinguinfamilie freudig empfangen. „Sagt mal“, fragte der Wichtel, „wohnt hier irgendwo ein Verwandter des Weihnachtsmannes?“ Er erwartete eigentlich keine Antwort, doch wie durch ein Wunder kam der kleinste Pinguin auf ihn zu und deutete mit seinem rechten Arm in Richtung einer kleinen, zugeschneiten Hütte, die man noch gerade so am Horizont erkennen konnte. Er klopfte und eine vertraute Stimme begrüßte ihn. Überrascht schienen seine Augen zu sein, als er zuerst den weißen Bart, dann den roten Mantel und die rote Mütze entdeckte. „Ich bin nicht der, für den du mich halten wirst. Aber ich bin ein enger Verwandter von ihm. Ich bin der Nikolaus und ich habe ganz im Gegensatz zum Weihnachtsmann ganzjährig mein Quartier hier am Südpol aufgeschlagen. Ich mag es, wenn Pinguine um mich herum sind, wenn die Flocken vom Himmel fallen und ich es dennoch nicht allzu weit zum Festland habe.“ Willi war noch immer ganz verdutzt und wusste nicht so recht, was er mit der Information anfangen sollte. „Ich habe ein riesengroßes Problem. Wobei, ich glaube, die vielen Kinder werden ein großes Problem haben, wenn der Weihnachtsmann nicht bald wieder auftaucht. Er sollte schon seit einiger Zeit im Weihnachtsmannschloss sein, aber ist dort bisher nicht gesehen worden. Ich bin nun schon fast einen Monat in der ganzen Welt unterwegs und habe ihn dennoch nicht finden können.“ Bedröppelt ließ der kleine Wichtel den Kopf hängen. Doch der weise alte Mann legte liebevoll seinen Arm und den kleinen Weltreisenden. „Nicht doch. Die Weihnachtsmannfamilie hat Mittel und Wege sich gegenseitig aufzuspüren. Du musst wissen, ich bin recht verträumt und so hat mich mein Bruder schon öfters davor gerettet den Nikolaustag zu verschlafen. Der Weihnachtsmann hat, ebenso wie ich eine Art Wünschelrute, nur das diese eben nicht nach Wasser, sondern nach dem verloren gegangenen Bruder sucht.“ Wichtel Willi war begeistert und sogleich wieder voller Tatendrang. „Lass uns die Suche sofort beginnen. Wir haben nicht mehr viel Zeit.“

Und so begannen die Beiden sofort mit der Suche. Ihre Reise sollte sie ins entfernte Amerika verschlagen. Es war nun schon der 23. Dezember, nicht mehr viel Zeit für unsere beiden Freunde.

*

New York, der gleiche Tag. Emmy und Christian saßen in einem spärlich beleuchteten Zimmer auf dem Fußboden. Ein Jeder blickte in das strahlende Gesicht seines Gegenübers. Schon bald sollten sie ihr Ziel erreicht haben. Der Heilige Abend stand kurz vor der Tür und der Weihnachtsmann gehorchte ihnen aufs Wort. Endlich einmal Weihnachten feiern und den Mann im roten Gewand ganz für sich allein haben, dass war der Wunsch eines jeden kleinen Kindes. Und so sollte es, wenn es nach den Willen der Beiden ging, in diesem Jahr der Fall sein: Geschenke, so weit das Auge reichte undmGlückwunschkarten bis zum Hals. In Gedanken malten sich Emmy und Christian bereits die schönsten Luftschlösser aus. Doch genau in diesem Moment klopfte es laut an der Holztür. Zwei ängstliche Blicke huschten quer durchs Zimmer. Dennoch öffneten sie die Tür und staunten anschließend nicht schlecht, als plötzlich noch ein „Weihnachtsmann“ mit einem kleinen Wichtel vor ihnen stand. Emmy brach in Tränen aus. Sie waren aufgeflogen und das so kurz vor dem Ziel. Christian ließ die Schultern hängen und fiel rücklings auf seinen Hosenboden. Der Nikolaus und Wichtel Willi traten in das unaufgeräumte Wohnzimmer und sahen den Weihnachtsmann völlig teilnahmslos in einer Ecke sitzen. „Was habt ihr mit ihm gemacht?“, wollte der kleine Willi wissen. Die Kinder schauten einander an und brachten kein Wort heraus. Christian ergriff das Wort: „Wir haben ihn so lange Tee trinken lassen, bis er eingeschlafen ist. Und dann ist er einfach nicht mehr aufgewacht.“ – „Das kann doch Alles nicht wahr sein. Und dann noch vor Weihnachten.“ An den Füßen und an den Händen gepackt, wurde der Weihnachtsmann in den Schlitten des Nikolaus‘ verladen und auf die Rückbank gelegt. „Ihr Beide kommt mit, wir können euch hier nicht alleine sitzen lassen. Und außerdem müssen wir noch ein ernstes Wörtchen mit euch reden.“ Mit diesen autoritären Worten des Nikolaus‘ erhob sich dessen Schlitten in die Lüfte. Und nun ging es endlich in das Schloss des Weihnachtsmannes, wo dieser bereits sehnsüchtig erwartet wurde.

Kapitel 6 – Was aus dem Weihnachtsfest wurde

Sie standen Alle da und warteten mit großen Augen, als der Schlitten vom Nikolaus sanft in den Schnee vor dem Weihnachtsmannschloss glitt. Meggie schloss Willi mit einem Schluchzen in die Arme: „Ich dachte schon du kommst gar nicht mehr nach Hause. Wir haben alle gemeinsam an dich gedacht und gehofft, dass dir nichts Schlimmes passiert ist.“ Und so bemerkte keiner, wie der Nikolaus den Weihnachtsmann in das verschneite Schloss trug und ihn in sein Bett legte. „Dann muss ich wohl deinen Job übernehmen, alter Mann.“, meinte er noch beifällig im Weggehen. Christian und Emmy wurden damit beauftragt, auf den Weihnachtsmann aufzupassen und sofort Bescheid zu geben, wenn dieser aus seinem Tiefschlaf erwachen sollte. Doch Willi wurde im ganzen Schloss als Held gefeiert. Er erzählte pausenlos von seinen Abenteuern, von den neu gewonnenen Freunden und den ganzen Geschichten rund um die Suche nach dem Weihnachtsmann. Der Nikolaus übernahm derweil die Aufgaben seines Bruders und koordinierte Wunschzettel, Geschenke und die ganzen Süßigkeiten. Auch am Morgen des Weihnachtstages war der Weihnachtsmann noch nicht ganz bei Sinnen und deshalb arbeitete sein Bruder im Akkord weiter. Geschenke wurden verteilt und die kleinen und großen Kinder auf der ganzen Welt glücklich gemacht.

Keiner bemerkte, dass der Geschenkeüberbringer eigentlich gar nicht der Weihnachtsmann war. Und so saßen weltweit die Menschen beieinander und genossen die familiäre Stimmung am Heiligen Abend.

*

Am späten Abend kehrte der Nikolaus von seiner Weltreise zurück zum Nordpol. „Mission erfüllt“, verkündete er und sogleich stimmten die Wichtel und Elfen einen Jubelgesang aus Weihnachtsliedern an. Auch der Weihnachtsmann war bereits wieder auf den Beinen und rief alle Helfer um sich zusammen:

„Ich bedanke mich bei allen kleinen und großen Helfern und hoffe, dass mein Verschwinden nicht für allzu großen Trubel und Chaos gesorgt hat. Erst euer Zusammenhalt hier hat das Fest auf der ganzen Welt überhaupt möglich gemacht. Nun aber genießt die euch verbleibenden Stunden mit euren Freunden und Familien.“ Und so wurde im Schloss noch lange und ausgelassen gefeiert.

Als der Weihnachtsmann am späten Abend die Feierlichkeiten verließ, wurde er vom Nikolaus, Wichtel Willi und den beiden Kindern auf seine Stube begleitet. Und erneut begann der alte Mann in seinem roten Gewand mit einer Rede:

„Wie ich sehe, hat ein Jeder auf dieser Welt ein friedliches und versöhnliches Weihnachtsfest feiern können. Das haben die Kinder und deren Eltern besonders unserem Wichtel Willi zu verdanken. Auf deiner Reise hast du viele neue Leute und Persönlichkeiten kennen gelernt. Ich hoffe dir damit deinen innigsten Weihnachtswunsch, einmal eine Weltreise zu machen, erfüllt zu haben.“ Auf Willis Gesicht breitete sich ein Grinsen aus, das bis zu den Ohren reichte.

„Und auch dir lieber Bruder habe ich hoffentlich einen Herzenswunsch erfüllt: Endlich einmal einen Weihnachtstag im Mittelpunkt zu stehen und in die vielen leuchtenden Kinderaugen zu schauen.“ Nach diesen Augenblicken des Glücks rollte eine kleine Träne über die Wange des Nikolaus‘.

„Nun zu euch beiden“ und der Weihnachtsmann wandte sich an Emmy und Christian. „Ich hoffe euer Wunsch ging in Erfüllung.“ Ihr habt euch den ganzen Heiligen Abend rührend um mich gekümmert. Euer Eigensinn, den Weihnachtsmann einen Abend für euch allein zu haben, sei euch verziehen. Doch denkt das nächste Mal daran, dass viele Kinder in der großen weiten Welt auf ihre Weihnachtsgeschenke warten.

*

Und so waren letztendlich Alle glücklich und zufrieden. Es wurde ein verschneites, gemütliches Weihnachtsfest. Die Familien saßen an ihren Kaminen und feierten im engsten Kreis. Und niemand bemerkte, dass dieses Jahr der Nikolaus anstatt des Weihnachtsmannes die Geschenke verteilt hatte.

Ende

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Weihnachtsgeschichte 2006 – Die Helfer des Weihnachtsmannes

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 0 – Prolog
Kapitel 1 – Das Schloss erstrahlt im Kerzenglanz
Kapitel 2 – Schneegestöber
Kapitel 3 – Suche nach dem Geschenkband
Kapitel 4 – Leckereien in Not
Kapitel 5 – Ein Geschenk für den Weihnachtsmann


Kapitel 0 – Prolog

Das Schloss liegt einfach so da, fast so als wäre es unter einer dicken, schweren Schneedecke vergraben. Es ist erst Anfang Dezember, die Heizkessel sind nicht in Betrieb, denn die kleinen Weihnachtsmannwichtel sind noch immer im Urlaub. Ohne diese kleinen guten Geister würden die alljährlichen Dezemberfeierlichkeiten nie so richtig stattfinden können. In der Winterjahreszeit wird wahrlich jede Hand gebraucht. Aber erst morgen, am 6. Dezember, sollen die Arbeiten für den Heiligen Abend beginnen. Es ist im Moment recht kühl hier. Die Nasenspitze wird Einem vom bloßen Dastehen ganz rot und schon nach ein paar Minuten fühlt sie sich an, wie ein kleiner Eiszapfen. Wie im schönsten Märchen fallen die Flocken ganz friedlich auf den gefrorenen Winterboden. Auch die Glocke am obersten Turm gibt keinen Mucks mehr von sich. Die gesamte Technik wurde von Väterchen Frost und seinen Minusgraden lahm gelegt. Und auch die Türklinken sind mittlerweile so kalt und gefroren, dass kein Mensch der Welt sie berühren möchte. Es wird sehr viel Mühe und Kraft nötig sein, damit hier die weihnachtlichen Vorbereitungen beginnen können. Da kommt ein großer Berg an Arbeit auf die kleinen Wichtel und den Weihnachtsmann zu.

Kapitel 1 – Das Schloss erstrahlt im Kerzenglanz

Ganz erschrocken blickt Wichtel Willi drein, als er das ganze Ausmaß der Katastrophe sieht, das ganze Schloss vereist und zugeschneit. Nach und nach trudeln auch die anderen Wichtel und die Weihnachtsmann-Feen ein. Doch Wichtel Willi, der auch sonst immer für seine genialen Einfälle bekannt ist, bekommt auch hier wieder blitzartig eine tolle Eingebung. Und schon wuselt er umher, kramt in den Kisten auf den Schlitten herum und leert ganze Säcke auf dem gefrorenen, eiskalt glitzernden Schneeboden. Da kommen Nudelhölzer, altbackene Plätzchen, Kerzen, aber auch einige technische Geräte zum Vorschein. Noch immer kramt der kleine Wichtel in einem riesengroßen Haufen und ist darin schon fast bis zum Kopf verschwunden. Plötzlich hört man ein triumphierendes, wenn auch leicht ersticktes Geräusch: „Ha gefunden, ich hab ihn gefunden.“ Nach und nach wenden sich alle anwesenden Geschöpfe dem Berg an Unwichtigkeiten zu. „Was hat den der kleine Wichtel da gefunden“ raunt es durch die Menge. „Ich hab einen elektrischen Fön gefunden. Wireless“. – „Ein Fön? Was wollen wir denn jetzt mit einem Fön?“ fragt ein doch sehr irritiert dreinschauender Unwissender. „Na wir wärmen die Türklinken und Schlösser damit auf. So bringen wir das Eis zum Schmelzen und wir kommen zumindest erst einmal in das innere des Schlosses. Und wieder geht ein Raunen durch die Menge. Doch diesmal klingt es schon sehr viel mehr nach Zuversicht. Wichtel Willi schnappt sich den Fön und flitzt schon Richtung Tür. Der Fön verrichtet mit einem ohrenbetäubenden Geräusch seine Arbeit. Und das sogar sehr gut. Denn bereits nach wenigen Augenblicken fällt der erste Eiszapfen in den Schnee. Die Menge bricht in Begeisterung aus und schon kurz darauf beginnt ein wildes Hin und Her. Jeder ist auf der Suche nach einer ähnlichen technischen Errungenschaft aus der Neuzeit. Aber vorerst wird keiner so richtig fündig und so konzentriert man sich schnell wieder auf den kleinen Wichtel mit der abgeknickten Mütze. Als das Schloss nun endlich freigelegt ist, fährt langsam mit einem geräuschvollen Klicken der Schlüssel in seine Bestimmungsposition. Nur schwer lässt er sich umdrehen. Eine Schweißperle kullert von des Wichtels Stirn, aber die Anstrengung lohnt sich. Unter dem Stöhnen der großen Holzbalken öffnet sich die eisige Pforte. Ein kühler Wind weht den kleinen Helfergestalten um die Nasen. Doch bei Wichtel Willi sieht man erneut ein Runzeln auf der Stirn und nur Augenblicke später kehrt er von einem anderen Schlitten mit einem großen Sack zurück. „Hier drin sind tausende von verzauberten Kerzen. Sie spenden nicht nur Licht für ein ganzes Jahr, sondern verteilen im Raum auch wohlige Wärme. Genau das richtige für eisig kalte Wintertage. Verteilt ungefähr die Hälfte davon im Schloss, das sollte reichen. Die andere Hälfte verteilt ihr aber rings um das Schloss. Nehmt euch ein paar Feen zu Hilfe, denn ohne Feuer nützen uns diese Zauberkerzen nicht. Mit ihrem Atem werden sie unsere kleinen Wärmespender schon zum Glimmen und Brennen bringen.“

Bald darauf sind fast alle Kerzen verteilt und ein warmer Schimmer verleiht sowohl dem Inneren, als auch dem Äußeren des Schlosses einen weihnachtlichen, warmen Glanz. Alles sieht so richtig nach Weihnachtsmannschloss und nach einer guten Vorbereitung aus. Doch der Schein trügt ein wenig. Denn jetzt ist noch viel zu tun. Aber der Anfang ist zumindest geschafft.

Kapitel 2 – Schneegestöber

Hoch über dem Schneegestöber fliegt bereits der Mann, dessen Gewand vom Stress der letzten Jahre schon etwas an roter Farbe verloren hat. Hier und da klaffen auch kleine Risse im festlichen Umhang. In zehn Minuten beginnt dann auch schon der Landeanflug auf das Weihnachtsmannschloss. Die kleinen Wichtel haben aber wegen des Schneegestöbers bereits ihre Bedenken angemerkt.

Am Boden herrscht reges Treiben. Jeder verfügbare Wichtel und jede freie Fee wurde zum Schneeschippen oder besser zum Freiräumen der Landebahn eingeteilt. Doch auf einmal flitzt ein kleiner Wichtel wie wild auf der Landebahn umher. Es ist Wichtel Willi und so wie es scheint, hat er wieder einmal einen großartigen Einfall. „Ich, ich …. Ich hab da eine Maschine gebaut“, bekam er vor Aufregung kaum heraus. „Du hast was?“, fragte eine kleine Fee dessen Nasenspitze einen kleinen Schneeberg trug. „Wer bist du denn?“ guckte der kleine Wichtel ganz verdutzt. „Ich bin Meggie“, sagte die zerbrechliche Elfe, „aber nun erzähl schon, was hast du den entwickelt?“. Die Worte und die sanfte Stimme schienen unseren Wichtel sichtbar zu beruhigen und er besann sich wieder auf seine eigentliche Aufgabe. „Also ich habe da so ein Gerät gebaut, mit dem man ganz einfach den überflüssigen Schnee von der Start- und Landebahn fegen kann … oder soll ich besser blasen sagen. Naja das Prinzip ist ganz einfach. Stellt euch einfach einen Staubsauger vor … nun das Gerät funktioniert ja nun wie ein Staubsauger … nur irgendwie … andersrum“. Mit einem lauten Dröhnen sprang der vermeintliche Staubsauger an und blies sämtlichen Schnee von der Landebahn, so dass man schon die Holzplanken sehen konnte. „Nun … äh das ist jetzt nicht ganz so günstig“, vermerkte Willi rasch, „das ganze System ist wohl noch nicht ganz ausgereift“. Die kleine Elfe aber bemerkte recht schnell die innere Anspannung und das traurige Gesicht unseres kleinen Wichtels. „Feen können nicht nur Schnee zum Schmelzen bringen, sie können auch Wasser zu gefrieren bringen. Diese Eigenschaft stammt eigentlich von unseren Schwestern den Elfen ab“ Sofort bildete sich eine Schlange aus vielen kleinen und großen Helferlein und in kürzester Zeit wurden tausende Eimer mit Wasser auf der Landebahn verteilt. Der Feenatem ließ die Wassertröpfchen sofort auf dem Holz gefrieren und es bildete sich eine Eisschicht, in der sich jedes Gesicht spiegeln konnte. „Nun, ein recht gefährliches Unterfangen für unseren Weihnachtsmann … meint ihr nicht?“, wollte ein weiterer Wichtel anmerken. „Nun ich hab da eine Idee“, kam es aus Wichtel Willi nur ganz zaghaft heraus, „wir holen uns alle Kissen aus dem Weihnachtsmannschloss, schneiden die Kissen auf und verwenden die Federn sozusagen als Ersatzschnee“. Die Idee stieß bei allen auf Begeisterung. Gesagt, Getan. Und bereits wenige Minuten später sah es auf der Landebahn aus wie nach einer misslungenen Kissenschlacht. Aber auch das Eis aus den Wassertröpfchen und dem Atem der Feen zeigte seine Wirkung. Denn so wurde verhindert, dass der Wind die Federn zu seinem Spiel nutzte.

Und so kam es, dass der Weihnachtsmann nach einiger Zeit doch unbehalten seine Residenz für die Wintertage ansteuern konnte. Die Vorbereitungen können also beginnen.

Kapitel 3 – Suche nach dem Geschenkband

Noch immer schickte Frau Holle dicke große Schneeflocken zur Erde. Vor dem Schloss türmte sich noch immer der Schnee bergeweise. Doch durch die kleinen Fenster ließ sich dennoch das wilde Treiben im Inneren beobachten. Verzweifelt sah man den Weihnachtsmann an seinem Tisch sitzen. Der Kopf war auf die eingeknickten Arme gestützt – Es bot sich ein Bild der Verzweiflung. Die Weihnachtselfe aus der Schneiderwerkstatt fiel krankheitsbedingt aus und so fehlte dem alten Mann im roten Kittel Weihnachtsband zum Verpacken und Beschriften der Geschenke. So ging der Weihnachtsmann auf Suche in seinem großen Schloss. Zuerst kam er an seiner Backstube vorbei. Süßlicher Duft der gerade aus dem riesigen Steinbackofen geholten Plätzchen umschwirrte seine Nase und veranlasste ihn zum Träumen. Plötzlich stolperte er über einen Wichtel, der darauf wie wild zu schimpfen begann. „Wenn das hier so weitergeht, dann schaffe ich hier nie alle Plätzchen rechtzeitig. [..] Oh Herr Weihnachtsmann, tut mir leid. Kann ich etwas für sie tun?“ fragte der Kleine. „Das kannst du vielleicht. Komm doch bitte mit mir.“ Und so zogen die Beiden weiter. Sie folgten einem langen Flur, mit roten Samtteppichen ausgelegt, der durch wärmendes Kerzenlicht erhellt wurde. Nach wenigen Augenblicken standen beide vor einer Tür mit der Aufschrift „Lass dich verzaubern“. Die schwergängige Klinke wurde heruntergedrückt und die Tür bot Einlass. Nur kurz musste man den Blick schweifen lassen, um zu erkennen, dass hier gar wunderbare, ja wunderschöne Dinge geschehen. Aus vielleicht lieblos verpackt anmutenden Geschenken wurden wahre Prachtgeschenke. Aus gelblichen Weihnachtssternen wurden in wenigen Sekunden goldgelb leuchtende Weihnachtsbaumspitzen gezaubert. Kein Zufall, dass hier die Finger der zarten Elfen im Spiel sein mussten. Auf der runden Knollnase des Weihnachtsmannes landete prompt die geschickteste aller Zauberfeen. „Kann ich den Herrschaften helfen?“ Mit einem freundlichen Brummen gab der Weihnachtsmann zu verstehen, dass des Elfchens Hilfe hier auch von Nöten war. Und so wurde aus unseren zwei Suchenden schnell ein Dreiergespann. Zu guter Letzt stieg man tief in den dunklen Keller hinab. Auf den Treppen bildete sich langsam eine dünne Schicht von Eis. Hier mussten alle Türen geschlossen gehalten werden, sofern man im Warmen sitzen und natürlich arbeiten wollte. Hier ganz tief verborgen findet man die Erfinder- und Bastlerwerkstatt. Emsig arbeitende Wichtel denken sich hier die tollsten Sachen für die vielen kleinen Kinder aus, die Jahr für Jahr auf ein Geschenk vom Weihnachtsmann hoffen. Ein Wichtel mit schwerer Brille auf der Nase steuerte direkt auf den alten Mann im roten Kittel zu. „Kann ich ihnen helfen, gnädigster Herr?“ Mit einem Nicken wurde auch der letzte benötigte Helfer davon überzeugt, dem Weihnachtsmann zu seinem Arbeitsplatz zu folgen.

Angekommen wurde das Problem recht schnell offen gelegt: „So meine kleinen Freunde und Helferlein in der Not, ich brauche eure Hilfe. Da eine unserer besten Schneiderfeen ausgefallen ist, habe ich nun kein Geschenkband mehr bei der Hand. Ich brauche eure Ideen.“ Der Wichtel aus der Backstube hatte auch gleich eine Idee: „Ich knete euch ein Geschenkband aus Teig.“ – „Und damit du das nicht mehr Backen musst, veredle ich das Teigstück mit meinen Zauberkräften“, fiel die Zauberfee dem Backwichtel ins Wort. „Und ich nähe euch kleine Knöpfe an das Band, damit euch die Geschenke nicht auseinander fallen.“

Und so wurde auch dieses Problem im Weihnachtsmannschloss gelöst. Nicht nur, dass jetzt alle Geschenke rechtzeitig verpackt wurden, nein nun gibt es auch noch ein paar besondere Prachtexemplare unter ihnen. Denn schließlich gibt es im weihnachtlichen Schloss jedes Jahr neue Überraschungen.

Kapitel 4 – Leckereien in Not

Dem Weihnachtsmann war also geholfen, die Bäckerei allerdings konnte nun jede freie Hand gebrauchen. Als Bäckerwichtel Sepp zu seiner Backstube zurückkehrte offenbarte sich ihm ein Bild der Verwüstung. Der Backautomat für die Plätzchen lag quer durch den Raum auf dem nun kalten Steinfußboden verteilt. Auch einige Kekskrümel lagen darunter. Das Chaos war perfekt. Nur wenige Tage vor Weihnachten und die harte Arbeit der letzten Wochen war fast völlig hinüber. Der Wichtel mit dem rundlichen Bauch sank auf seine Knie, ihm kullerte eine große Träne über die Wange. Hier gab es scheinbar keinen Ausweg mehr. Ein paar Minuten später befand er sich wieder auf den Beinen und rannte über unzählige Stufen hinauf und hinab in das Büro des Weihnachtsmannes. Aber auch dieser saß nicht an seinem Platz. Und wieder begann für unseren Bäckerwichtel ein kleiner Marathon durch das Schloss. Viele Stufen jagte er hinab in das tiefe steinerne Gemäuer des Kellers. Nachdem er die Tür kraftvoll aufgestoßen hatte, blickten ihn 5 Paar Augen erschrocken an. Er muss total fertig ausgesehen haben, denn noch immer blickten alle Anwesenden in das hilflose Gesicht von Wichtel Sepp. Willi übernahm die Initiative: „Herrje Sepp, was ist denn mit dir geschehen. Du blickst ja total fertig drein. Setzt dich erstmal hin und dann erzähl’ doch bitte, was dir widerfahren ist“. Sepp nahm auf einem sonderbaren Sitzgestell Platz und schilderte mit verloren dreinklingender Stimme dem Ingenieurswichtel seine missliche Lage. „Vielleicht sind deine Plätzchen doch noch nicht ganz verloren“, ließ Wichtel Willi zögernd durchklingen und runzelte dabei seine Stirn. Erinnerst du dich? Neulich auf der Landebahn hat mir die kleine Elfe Meggie sanft zugesprochen. Nun, du darfst es aber Keinem erzählen, aber ich und Meggi, wir […]“ – „Nun komm schon raus mit der Sprache“, schoss es Sepp forsch zwischen Lippen hervor. „Also wie ich gerade sagen wollte“, war nun Willi wieder am Zug, „können uns Meggie und ihre Helferchen dabei etwas unterstützen. Ich repariere dir deine Maschine und du steigst in den Südturm zur Elfenfee Meggie hinauf. Richte ihr viele Grüße von mir aus und sage ihr, dass ich sie mit allen verfügbaren Kräften in deiner Werkstatt brauchen kann“. Gesagt, getan und so begann für Sepp erneut ein Wettlauf gegen die Zeit. Schon wieder durchkämmte er in einer atemberaubenden Geschwindigkeit die Flure des Weihnachtsmannschlosses. Er rannte so schnell, wie ihn seine kleinen Beine nur tragen konnten. Völlig außer Atem erreichte er die Tür am obersten Ende des Südturms. Schnaufend trat er ein und sah Meggie in voller Schönheit direkt in die Augen. „Ich […] brauche deine Hilfe“, kam es gerade so von seinen Lippen. Ihre Schönheit blendete ihn, aber er wusste um Willis Gefühle und so konzentrierte er sich wieder auf das Wesentliche: „Ich soll dir von Wichtel Willi viele liebe Grüße ausrichten. Er braucht dich und alle deine Freunde in meiner Backstube – zum Plätzchenbacken.“ Kurz darauf war Meggie schon verschwunden und Sepp machte sich zurück auf den Weg zur Backstube. Er staunte bei seiner Ankunft nicht schlecht, denn der kleine Tüftler hatte sein Wort gehalten und seine Backmaschine war repariert. Und nicht nur das. Willi hatte sie zu einer Art Fließbandmaschine umfunktioniert. Als Meggie kurz darauf mit neuen Helfern auftauchte verstand auch Sepp. Bis in die frühen Morgenstunden schufteten alle anwesenden Wichtel und Feen. Erst als die Glocke im Nordturm fünfmal hintereinander schlug, fielen alle todmüde in den verdienten Schlaf, denn die Arbeit war getan und so konnten sich alle für das Verladen der Geschenke und das Verschicken der Plätzchen vorbereiten. Das große Finale steht aber noch unmittelbar bevor. Der Heilige Abend kann kommen.

Kapitel 5 – Ein Geschenk für den Weihnachtsmann

Viele Pakete stehen nun im Lagerraum bereit und wollen auf den großen majestätischen Schlitten des Weihnachtsmannes verladen werden. Doch wie jedes Jahr gibt es ein riesiges Platzproblem. Die Kinder dieser Welt haben wieder viel mehr Wünsche geäußert als im Vorjahr. Und nun tut es der verzauberte, mit extra Paketfächern ausgestattete Schlitten des bärtigen alten Mannes wohl auch nicht mehr. Doch dieses Jahr haben sich die Bastelwichtel und die Elfen zusammengetan und haben dem Weihnachtsmann pünktlich zum Heiligen Abend sein alljährliches Geschenk überbracht.

Aber lasst mich von vorne anfangen mit erzählen: Noch so ungefähr eine Woche war es bis zum Heiligen Abend, vereinzelt spielten die Elfen und die Wichtel zusammen im Tiefschnee oder hockten, wie Meggie und Willi gerade, im Schloss vor einem warmen Kamin und tüftelte über ein Geschenk für den Weihnachtsmann. „Es muss etwas sein, was der alte Mann gebrauchen kann.“, meinte Willi. „Ja und er muss selber Freude daran haben.“, empfand Meggie. Und so grübelten die Beiden bis tief in die dunkle verschneite Nacht hinein. Auf einmal sprang Meggie, wie von der Stricknadel gestochen in den Stand und verkündete lautstark ihre Idee: „Ich habs, wir schenken dem Weihnachtsmann einen neuen Sack für seine Geschenke. Aber nicht nur einen ganz normalen Leinensack, sondern einen verzauberten Sack, in dem alle Geschenke Platz finden, die sich die Kinder zum Heiligen Fest gewünscht haben.“ – „Und wie willst du das genau anstellen?“, fragte der sonst so erfinderische Wichtel Willi etwas irritiert. „Nun ich habe da im letzten Sommer etwas Tolles entdeckt. Bei meiner Schwester im Schlafgemach habe ich in der untersten aller Schubladen eine bahnbrechende Entdeckung gemacht.“, wollte die kleine Fee mit der Erklärung beginnen. Doch Willi war sehr ungeduldig und so redete er seiner Freundin etwas zu rasch ins Wort: „Nun komm schon raus mit der Sprache, was hat es mir der Entdeckung auf sich?“ – „Also, da unten im Schubfach, da fand ich ein Wollknäuel. Ich fragte meine Schwester ob ich mir daraus ein paar warme Handschuhe stricken könne. Sie stimmte ein. Und so begann ich also zu stricken. Nach einer Woche und harter getaner Arbeit war ich richtig stolz auf mein Werk. Bald kam mein großer Bruder in Zimmer und wollte die Handschuhe gleich anprobieren. Ich wollte noch protestieren, da ihm dieses Strickwerk eh nicht gepasst hätte. Doch wie durch ein Wunder passten die Handschuhe. Nun probierte ich natürlich noch ein bisschen hin und her, und fand heraus, dass hier ein Zaubergarn am Werk war. Es ließ sich fast bis ins Unendliche dehnen. Und vorhin als wir beide so dagesessen haben, musste ich an meine Nikolaussocke denken, die ja auch immer so weit gedehnt wird. Nun, da kam mir die Idee mit dem Sack für unseren Weihnachtsmann. So also versammelte man sich, fernab vom Büro des Weihnachtsmannes mit vielen freiwilligen Helfern in der großen Halle. Willi und Meggie verkündeten gemeinsam ihr Vorhaben, welches sofort auf lautstarke Jubelstürme und euphorische Begeisterung stieß. So nähten tage- und nächtelang viele zerbrechliche Feenfinger und grobe Wichtelgriffel liebevoll an einem neuen Geschenkesack.

*

Am frühen Morgen des 24. Dezember begann der Weihnachtsmann etwas unbeholfen mit dem Beladen seines Schlittens und stieß recht schnell an seine Grenzen. So trottete er etwas zerknirscht zum Frühstück und staunte nicht schlecht, als alle Wichtel und Feen versammelt um seinen Kaffeepott standen. „Was ist den hier los?“, fragte der Weihnachtsmann. „Nun, wir wissen, gewöhnlich gibt es die Geschenke ja erst am Abend. Aber da du heute Abend unterwegs sein wirst, möchten wir dir dein Geschenk schon jetzt überreichen. Sechs Elfen und sechs Wichtel trugen das Geschenk für den alten Herrn hinein. Liebevoll verpackt, lag ein weiches Etwas in den, von der Arbeit der letzten Tage, strapazierten Händen des Weihnachtsmannes. Mit einer großen Schere durchschnitt er das Geschenkband. „Ein neuer Geschenkesack?“, fragte der Mann, der sein rotes Gewand angelegt hatte, mit freudigem Unterton in seiner Stimme. „Nicht nur das“, vermerkte Willi, „denn hier bekommst du alle deine Geschenke unter. Der Sack ist aus dehnbarem Garn geschneidert. Das lässt bestimmt keine Wünsche und Kinderträume mehr offen.“, verkündete Willi ganz professionell. „Das ist aber lieb von euch. Da kann das Fest für Groß und Klein ja aber beginnen.“

*

Und so wurde es ein wunderschönes Weihnachtsfest für Jedermann. Viele Wünsche gingen in Erfüllung und dank des neuen Sackes floss bei den Kleinen auch keine einzige Träne (sofern mir das bekannt ist). Es schien fast so als wäre es ein perfektes Weihnachten geworden, dank der vielen kleinen freiwilligen Helfer im Weihnachtsmannschloss.

Und so besannen sich viele Familien auf die Friedlichkeit der Feiertage und genossen das Beisammensein mit ihren Familien. Es wurde sogar erzählt, dass auch in der Wüste eine kleine Tanne im Sand eingebuddelt wurde und die Sandkörner im Wind ein kleines, lieblich klingendes, Weihnachtslied verklingen ließen.

Ende

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Weihnachtsgeschichte 2005

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 – Ich der Weihnachtsmann

Kapitel 2 – Von Wünschen und anderen Problemen

Kapitel 3 – Geschenke – Der erste Versuch

Kapitel 4 – Stress am Telefon

Kapitel 5 – Das letzte Geschenk

Kapitel 6 – Warum ich dennoch gerne der Weihnachtsmann bin


Kapitel 1 – Ich, der Weihnachtsmann
Schneetreiben. Bis zu den Knöcheln steh ich nun schon im Schnee. Die Zehen werden auch schon kalt. Und dieser rot-weiße Umhang wird auch nicht modischer. Nun ist es schon wieder Anfang Dezember und so langsam wird es Zeit, dass die Geschenke den Weg von den Geschäften in meinem Weihnachtssack finden. Und wer denkt, der Weihnachtsmann, der bestellt die Sachen über Katalog oder hat das Zeug in einem Lager auf Vorrat der täuscht. Und die unscheinbare Hütte am Rande einer Großstadt ist genau das, was den Kleinkindern heutzutage gerne verschwiegen wird.

Nun diesen Job mache ich nun schon zum zweitausend und fünften Mal. Und trotzdem, der Stress ist jedes Jahr um ein Vielfaches größer, als im Vorjahr, naja irgendwie muss man sich die Falten im Gesicht erklären. Auch dieses Jahr sollte das Beschaffen der Geschenke nicht allzu einfach werden. Es würde wohl zu viel eurer Zeit in Anspruch nehmen, euch meine sämtlichen Erlebnisse aus diesem Jahr näher zu bringen. Aber anhand einer Familie möchte ich euch zeigen, wie mein Vorweihnachtsalltag so aussieht.

Kapitel 2 – Von Wünschen und anderen Problemen
Wie bereits erwähnt, in der vorigen Nacht hatte es hierzulande, oder besser hier in der Stadt, den ersten Schnee gegeben. Sagen wir mal so, ich mag den Schnee. Doch wenn im Jahr der erste Schnee fällt, verfällt auch der Weihnachtsmann in depressionsähnliche Zustände. Besonders die kleineren unter den Kindern haben es da auf das Scheitern meines Unternehmens abgesehen. Es ist noch früh am Morgen. Die Kirchturmuhr hatte gerade elf geschlagen und die ersten Einkaufsmeilen füllten sich mit kaufwütigen Menschenmassen. Und da Anfang Dezember ist, bin ich mittendrin. Natürlich in zivil, um nicht allzu viel Aufsehen zu erregen. Die Tür von diesem Einkaufstempel schwingt auf und ich quetsche mich an einer etwas beleibteren Dame durch den noch verblieben Spalt hindurch. Das Unterfangen kostet doch einige Schweißtropfen, bringt mich aber nicht aus dem Konzept. Dafür stehe ich nun vor dem ersten schwerwiegenden Problem. In meiner Zivilkleidung will sich einfach nicht der Wunschzettel ausfindig machen lassen. Nun, ich meine mich erinnern zu können, dass sich meine Vermerke zu den Wünschen doch sehr in Grenzen gehalten haben, aber dennoch kostet diese Unachtsamkeit einige Stunden meiner wertvollen Zeit. Ich setze das Vorhaben dennoch gezielt fort. Doch bereits am Eingang einer großen Multimediakette werde ich von einem netten Bodybuilder gebeten, mit dem Eintreten in die Räumlichkeiten zu warten, weil bereits zu viele Kunden das Innenleben dieses Raumes in Beschlag nehmen. Ich zeige ihm also vertrauenswürdig meinen Dienstausweis und er guckt mich fragend an. „Sind sie nicht schon zu alt für solche Spielereien?“, meint er noch beifällig, als ich ihn bitte mich zur Geschäftleitung zu bringen. Im Gedränge der Massen sehe ich meine einzige Chance. Ich reiße meinen Arm von dem Sicherheitsbeamten los und lasse mich instinktiv fallen. Da die Person vor mir die Beine leicht gespreizt hat, ergreife ich die Gelegenheit. Ich rutsche unter dem betagten Herren hindurch und der Sicherheitsbeamte ist vorübergehend außer Reichweite.

Kapitel 3 – Geschenke – Der erste Versuch
So nun denkt ihr euch, in einer Multimediaabteilung der größeren Art wird der Weihnachtsmann sicher fündig, aber nein, dies sollte mir an diesem Tag einfach nicht vergönnt sein. So entschied ich mich nur für eine DVD und war dabei die Örtlichkeit wieder zu verlassen. Der nächste Schock erwartet mich an der Kasse. Da saß eine etwas ältere Dame, deren Mundwinkel den Weg nach oben wohl nie finden würden. Sie nahm mir wohl meine Kartenbezahlung des Artikels mit meiner Weihnachtsmann – VISA – Karte etwas krumm und schnauzte mir noch ein „Frohes Weihnachtsfest“ hinterher. Wieder draußen bemühte ich mich, den Blicken des Sicherheitsbeamten auszuweichen und schlenderte Richtung Buchhandel. Der Weg dort hin stellte sich als ein umfunktionierter Hindernislauf mit menschlichen Objekten heraus. Mal wurde mir ein Kinderwagen in die Seite gerammt und mal meinte ein kleines Kind, es könne unter meinen Beinen durchlaufen. Das Beste allerdings waren meine Möchtegern Doppelgänger, die mich mit Weisheiten zum Weihnachtsfest bei Laune halten wollte. Dazu nur eins: „Wenn man keine Ahnung von der Sache hat, dann sollte man die Sache den Profis überlassen“. Gut ich lies den Mann aber in dem Glauben, er sei der richtige Weihnachtsmann, um die Bevölkerung nicht einer Massenpanik auszusetzen und fand mich eine ganze Viertelstunde später, hundert Meter weiter, vor dem Buchladen wieder. In so einem Buchladen konnte ich dann meiner ganzen Kreativität freien Lauf lassen. Hier fand sich dann für so ziemlich jeden Bedarf das passende Geschenk. Allerdings war das Aufspüren dieser Bücher auch nicht ganz so einfach. Die Beschriftung der Regale war doch etwas verwirrend und trieb mich zunächst in die Nähe von Abreiskalendern. Aber letztendlich sollte ich auch das Kochbuch und das Buch über „Trainingsmöglichkeiten für Torhüter“ für den Kleinsten in der Familie finden. Wie gesagt für fast jeden Geschmack hatte ich nun ein Geschenk. Das Problem war, ich brauchte noch 2 weitere Geschenke. Allerdings hat mich mein Aufenthalt in dem Buchladen so geschafft, dass ich es für unmöglich hielt mein Unterfangen fortzusetzen und entschied mich für eine Vertagung. In dem stärker werdenden Schneetreiben trieb es mich letztendlich doch zu einer verlassenen Bushaltestelle, wo der Bus auch geradewegs vor meiner Nase abfuhr und der Busfahrer im Außenspiegel ein Grinsen über die Lippen brachte.

Kapitel 4 – Stress am Telefon
Es hatte aufgehört zu schneien und so langsam setzte das Tauwetter ein. Über Nacht hatte sich leider kein passendes Präsent finden lassen und so musste ich wohl erneut auf die Suche gehen. Doch genau in diesem Moment schoss mir ein Blitz durch den Kopf, manche von euch nennen es wohl einen Geistesblitz. Ich griff sofort zum Telefonhörer und rief die Nummer einer örtlichen Ticketzentrale an. Ein Herr am anderen Ende der Leitung lies mir seine morgendliche Stimmung zu teil werden und brachte nur ein gequältes „Morgen“ über die Lippen. In bester Laune trug ich ihm meinen, eben für genial befunden Wunsch vor. Schon wiederholte er in demselben Ton meine Worte: „2 Konzertkarten für […], ja“. Ich gab einen bestätigten Ton von mir. Dann brach eine Fragenflut über mich herein. Welche Reihe, welcher Sitz, Rang oder Parkett? Also am Liebsten hätte ich den Herrn gefragt, ob ich nicht einfach nur gepolsterte Sitze bekommen konnte, aber ich hielt mich zurück, ohne dem Mann am Telefon sinnbildlich an die Gurgel zu springen. Ich wurde gefragt, ob es denn reiche, wenn die Karten im Januar zugestellt werden, was ich sofort energisch verneinen musste, da der Mann sonst die Karten in die Schublade „Hat noch Zeit“ eingeordnet hätte. Ich verwies ihn mit eindringlichen Worten darauf, die Karten auf Grund der Weihnachtsvorbereitungen so schnell, wie nur möglich zu verschicken. Der Herr verstand und gab den Auftrag seiner Sekretärin weiter, wie ich nur unschwer an den etwas lauteren Worten im Hintergrund erahnen konnte. Aber nicht als ob die Sache damit vom Tisch gewesen wäre. Es folgt ein ausgearbeiteter Fragebogen über weitere, noch verfügbare Veranstaltung. Nach der siebten Veranstaltung höre ich, wie die Stimme am anderen Ende der Leitung ins Positive driftet. Doch sofort, als ich alle Veranstaltungen mit einem „Nein“ ablehne kehrt der Mann wieder in den üblichen morgendlichen Pessimismus zurück. Völlig entnervt lege ich den Hörer zurück in seine Fassung und lehne mich in meinem weichen Ledersessel entspannt zurück.

Kapitel 5 – Das letzte Geschenk
Nun gut der Tag war ja noch lange nicht vorbei. Aber auf Grund des schwerwiegenden Tauwetters würde sich meine Laune vermutlich nicht bessern. Ich beschloss in einem letzten Versuch das noch verbleibende Geschenk auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt zu finden. Schon als ich vor die Tür trete, steht mein linker Stiefel einen halben Zentimeter unter Wasser. Mit einem wassergefüllten Schuh geht es Richtung Bushaltestelle. Dort angekommen entwischt mir auch gleich der Bus und ich beschließe zur nächst größeren Haltestelle zu laufen. Natürlich läuft es sich bei Tauwetter nicht besonders angenehm und so gestaltet sich der Weg dahin zu einer Mischung aus Rutschen und zu einem „Wie werden die Schuhe nicht allzu nass“ – Unterfangen. Natürlich erlaubt mir der Untergrund nicht, nach der ankommenden Bahn zu rennen, weswegen ich diese prompt verpasse. Also setze ich auch den noch verbleibenden Weg zum weihnachtlichen Markt zu Fuß zurück. Zu allem Überfluss beginnt auf halber Strecke auch noch ein leichter nasskalter Nieselregen.

Eine Stunde später erreiche ich glücklicherweise mein Ziel. Ich schlürfe durch anmutig klingende Gassen, wie „Wintergasse“ und „Wichtelgasse“, wobei ein zeitweiliger vorweihnachtlicher Gedanke in mir aufsteigt. Dieser wird jedoch sofort durch die Überzahl der Würstchen- und Glühweinbuden zerstört. Wieso gibt es auf einem vom Namen ausgeschriebenen „Weihnachtsmarkt“ mehr Würstchenbuden als es Hütten mit erzgebirgischer Handwerkskunst gibt. Und warum muss es in jeder Gasse gleich 2 Anlaufstellen für Glühwein geben. Auch die weihnachtliche Melodie, die über dem Weihnachtsmarkt erklingt, dröhnt nur aus dem Lautsprecher. Wo ist das Flair, der urtümlichen Weihnachtsmärkte hin, wo man im Schnee stapfend einen Bratapfel verschlang und mit Mutti an der Hand von Hütten mit Pyramiden zu Ständen mit Räuchermännchen zog. Der weihnachtliche Gedanke ist fast gänzlich der Geldmacherei gewichen. Und so zieht es mich zu einer der kleinsten Hütten, ganz am Rand des Marktes, wo die Musik fast nicht mehr zu hören ist. Ein feiner, froher Duft von Holz weht einem um die Nase. Von der Verkäuferin werde ich ebenfalls mit einem Lächeln auf den Lippen und einer Tasse Tee begrüßt. „Na ihnen fehlt noch ein Geschenk, das sehe ich doch schon.“ Völlig überrascht trete ich noch ein bisschen näher an das kleine Holzhaus heran. Kleine und große Pyramiden drehen sich im Hintergrund. Verschnörkelte Kerzenständer und träumerische Behältnisse für Teelichter ermuntern mich wieder. Das Lachen und die Wärme, die ein Weihnachtsfest ausstrahlen sollten, kehren in mich zurück. So entscheide ich mich letztendlich für eine kleine handgeschnitzte Weihnachtsmannfigur. Ich bedanke mich bei der Dame in dem kleinen Holzhaus und verlasse, wie in einem Traum, mit einem guten und warmen Gefühl im Bauch, den Weihnachtsmarkt.

Kapitel 6 – Warum ich dennoch gerne der Weihnachtsmann bin
Es ist der 24. Dezember. Der Tag, der besser unter dem Begriff „Heilig Abend“ bekannt ist. Bei mir liegen alle Sachen kreuz und quer über dem Boden verteilt. Geschenkpapier, kleine Papiersterne und das Band, welches die Geschenke zusammenhält. Beim Einpacken der Geschenke kommt die ganze Liebe für Weihnachten ans Licht. Das Klebeband hält das Papier zusammen, das Band wird zurechtgezogen und ein kleiner Papierstern schmückt die Ecke, des neulich schwer erkämpften Buches. Doch in genau diesem Moment bin ich wieder ausgeglichen und der ganze Stress der letzten Tage fällt von mir ab.

Nun aber ist der Moment gekommen, um eine Familie glücklich zu machen. Ich lege den roten Mantel an, der, wie noch von vor zweitausend und fünf Jahren, den weißen Saum am Rand behalten hat. Dazu schlüpfe ich, wie von alleine, in die rote Hose, die sich samtgleich um meine Beine wickelt. Die Krönung ist jedes Jahr die rote Mütze, die mit einer prachtvollen weißen Bommel bestückt ist.

So bekleidet mache ich mich auf den Weg zu jener Wohnung, wo unsere Familie dieses Jahr das Weihnachtsfest verbringen wird. Dreimal klopfe ich mit der ganzen Faust gegen die schwere Holztür. „Bumm“ „Bumm“ „Bumm“. Hinter der Tür höre ich aufgeregtes Tuscheln. Mir wird geöffnet. Wärme strömt mir entgegen. Der Duft von Räuchermännchen und Räucherfrauen steigt mir in die Nase. Auf dem Wohnzimmertisch liegen Plätzchen in einer weihnachtlichen Glasschale. Jetzt ist auch für mich das Weihnachtsfest zum Greifen nahe. Mehr als 6 Augenpaare blicken gleichzeitig zu mir auf. Alle in Erwartung ihrer Geschenke. Mit einem Rat für jeden auf den Lippen übergebe ich dem Vater, als auch dem kleinen Kind die kleine Gabe. Bevor ich nun aber das Haus wieder verlasse, drehe ich mich noch einmal um und spreche zu allen:

„Weihnachten ist das Fest der Familie. Feiert ausgelassen und seid eueren Nächsten nahe. Denkt aber auch daran, wie viel Kraft und Liebe hinter so einem Fest stehen. Dankt auch denen, die so etwas Großartiges möglich gemacht haben. Wir sehen uns auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder. Macht es gut und bleibt schön artig.“
Mit diesem Worten verließ ich das Haus dieser Familie. Viel mehr Zeit zum Verweilen blieb mir leider nicht. Schließlich warten auch andere Väter, Großväter und Kleinkinder auf ihre Geschenke und meinen weisen Rat.

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